Anton von Werner

Kurzbiographie

Anton von Werner entstammte einer alten märkischen Offiziersfamilie und wurde am 9.5.1843 in Frankfurt an der Oder geboren. Er studierte Malerei an der Berliner und ab 1862 an der Karlsruher Kunstakademie. In Karlsruhe schloß er sich besonders dem Maler und Grafiker Adolf Schrödter (1805-1875) an. Erste Bekanntheit erlangte von Werner durch seine Illustrationen zu den Werken Victor von Scheffels ("Der Trompeter von Säkkingen" und andere Werke). Drei Studienjahre verbrachte er in Frankreich und Italien. Auf Empfehlung der Großherzogin von Baden an ihren Bruder, den Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, nahm er als Beobachter an der siegreichen Schlußetappe des Deutsch-Französischen Kriegs teil. Die dabei gewonnenen Eindrücke waren für sein nachfolgendes künstlerisches Werk prägend. Anton von Werner wurde auf Einladung des Kronprinzen Augenzeuge der Reichsgründung und machte diese zur Gegenstand seines bekanntesten Gemäldes "Die Proklamation des Deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal zu Versailles am 18. Januar 1871" (fertiggestellt zum 80. Geburtstag Kaiser Wilhelms I. im Jahr 1877).
Selbstportrait im Atelier, 1885.
Museum Viadrina
Frankfurt/Oder
Im Jahr 1875 wurde Anton von Werner zum Direktor der als Hochschule für bildendene Künste neu eingerichteten Lehranstalt der Preußischen Akademie ernannt, ein Amt, das er 40 Jahre lang bis zu seinem Tod innehatte. Hier setzte er zu Beginn seiner Amtszeit durchgreifende Reformen des Lehrprogramms durch. Im Zuge seine künstlerischen und administrativen Tätigkeit kam er in engen Kontakt zum preußischen Kronprinzenpaar. Da dieses, im Gegensatz zu den vormals in Preußen üblichen höfischen Gepflogenheiten, den Umgang mit Künstlern und Wissenschaftlern suchte, entwickelte sich eine freundschaftliche Verbundenheit. So wurde etwa die Kronprinzessin Victoria Taufpatin seines ersten Sohns. Von Werner erkannte die Kronprinzessin als begabte Malerin und Zeichnerin an und erteilte ihr auch Unterricht.
Er gestaltete als Berliner Hofmaler, meist in öffentlichem Auftrag, zahlreiche Gemälde historischer Ereignisse und politischer Persönlichkeiten. Der künstlerischer Gehalt dieser Werke istumstritten, sie sind jedoch durch ihre handwerkliche Qualität und ihre angestrebte dokumentarische Exaktheit auch heute noch von Interesse.
Olaf Gulbransson: "Orden verpflichten"
1903/04
Anton von Werner war in zahlreichen Funktionen als Administrator und Organisator tätig, unter anderem zwanzig Jahre lang als Vorsitzender des Vereins Berliner Künstler. Im wilhelminischen Deutschland war er einer der einflußreichsten Kulturfunktionäre und wurde mit Orden und Ehrungen überhäuft. Als Vertrauter Kaiser Wilhelms II. hatte er entscheidenden Einfluß auf dessen konservative, modernen Strömungen feindliche Kulturpolitik. Dennoch konnte er nicht verhindern, daß sich auch in Deutschland die Moderne durchsetze. In seinen letzten Lebensjahren wurde er von der Kritik und großen Teilen des Publikums als Vertreter einer erstarrten und überholten Kunstauffassung angesehen.
Am 4. Januar 1915 starb Anton von Werner in Berlin.

Die Proklamierung des Deutschen Kaiserreiches
18.1.1871
Bismarck-Museum, Friedrichsruh
Ankunft Wilhelms I. in Saarbrücken
9.8.1870 (Farbskizze)
Deutsches Historisches Museum
Eröffnung des Reichstags durch Wilhelm II.
25.6.1888
SSG Potsdam-Sanssouci
Ausschnitt
Kronprinz Friedrich Wilhelm
an der Leiche des Generals Abel Douay,
4.8.1870
Hechingen, Burg Hohenzollern
Kaiser Friedrich als Kronprinz
auf dem Hofball 1878
1895
Nationalgalerie Berlin

Literatur:

  • Anton von Werner: Geschichte in Bildern [Ausstellung des Berlin-Museums und des Deutschen Historischen Museums Berlin, Zeughaus, 7. Mai-27. Juli 1993] / hrsg. von Dominik Bartmann. Hirmer, München 1993
  • Autobiographie:
    Anton von Werner: Erlebnisse und Eindrücke, 1870-1890, Verlag Mittler und Sohn, Berlin 1913

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