Der Kaiserin auf der Spur

Sie war der Liebling ihres Vater, trug den Titel "Princess Royal" und heiratete 1856 aus Liebe den späteren preußischen Kaiser Friedrich III: Victoria Kaiserin Friedrich wurde am 21. November 1840 geboren und starb vor 100 Jahren auf ihrem Witwensitz in Kronberg. Auf Einladung des Arbeitskreises Friedrichsdorfer Geschichte sprach Professor Dr. Barbara Dölemeyer, Rechtshistorikerin am Max-Planck-Institut und Professorin an der Universität Gießen sowie Vorsitzende des Bad Homburger Geschichtsvereins über die englische Prinzessin Victoria, die Mutter des Kaisers Wilhelm II. werden sollte.

Die Referentin hatte zahlreiche Dias in den großen Sitzungssaal des Friedrichsdorfer Rathauses mitgebracht. Darunter Fotos von Gemälden Franz-Xaver Winterhalters, wie das, auf dem "Vicky" als Kleinkind mit der Perlenkette ihrer Mutter, der englischen Queen Victoria, spielt. Wie hübsch die Prinzessin als junges Mädchen war, zeigt ein Foto aus dem Jahr 1855. Kein Wunder, dass sich Friedrich in sie verliebte. "Die Hochzeit in St. James Palace war prächtig. Aber die Trennung von ihren Eltern fiel ihr schwer", berichtete Dölemeyer. In ihren Briefen berichte Victoria von ungemütlichen deutschen Schlössern. Auch den Widerstand Bismarcks gegen sie als Engländerin habe sie zu spüren bekommen.

Von 1862 datiert ein Bild Victorias mit zweien ihrer Kinder. Mit ihrem ältesten Sohn, dem späteren Kaiser Wilhelm II, sollte sie es schwer haben. Beide hatten unterschiedliche politische Ansichten. Und als Friedrich III., ihr heißgeliebter Fritz, nach nur 99 Tagen Regierungszeit gestorben war, stellte Wilhelm seine Mutter kalt. Sie konnte nicht in Berlin bleiben und so ging sie in den Taunus und baute in Kronberg ihren Witwensitz, Schloss Friedrichshof, das heutige Schlosshotel. Für die Stromversorgung des Hauses wurde ein eigenes kleines Kraftwerk im Kronthal gebaut.

In Homburg sorgte sie 1870 dafür, dass der Baumeister Louis Jacobi nach ihren Angaben eine moderne Lazarettbaracke konstruierte, mit Fenstern und Ventilation im Dachfirst. "England war dem Kontinent in Sachen Hygiene weit voraus." Und sie engagierte sich 1867 beim Wohltätigkeitsbasar der Homburger Freiwilligen Feuerwehr, die für die Verwundetentransporte verantwortlich war. Denn Deutschland war im Krieg mit Frankreich. "Krankenpflege und Fürsorge waren traditionell Aufgaben hoher Damen", so Dölemeyer. In Kronberg gründete Victoria das Kaiserin-Friedrich-Krankenhaus, heute ein Altenheim.

Auch die Mädchen- und Frauenbildung lag ihr am Herzen. In Bad Homburg richtete sie im Dreikaiserhof das Institut der englischen Fräulein (heute Maria-Ward-Schule) ein, es sollte eine Schule für höhere Töchter werden. Schulsprachen waren abwechselnd Englisch und Französisch. Im Kronthal gründete sie ein Mädchen-Pensionat, das 1897 nach Dornholzhausen verlegt wurde. Martha von Puttkammer unterrichtete dort, bevor sie das Mädcheninstitut in Friedrichsdorf übernahm, berichtete Dölemeyer.

Victoria hatte auch ein lebhaftes Interesse an Naturwissenschaften Technik und Kultur. Sie hatte Zeichenunterricht bei bekannten Künstlern und malte Portraits ihrer Kinder und Ansichten von Kronberg. Zudem hatte sie Verbindungen zur Kronberger Malerkolonie und sammelte Kunstwerke, die das Schloss Friedrichshof schmückten.

Auch die Kronberger Burg interessierte sie. Sie wollte das halb verfallene Gebäude retten. Kurzerhand schenkte ihr ihr Sohn, der Kaiser Wilhelm, die Burg 1891 zu Weihnachten. "Wie immer hat Wilhelm versucht, mir eine Freude zu machen, was für mich den Wert der Sache erhöht", schrieb sie an ihre Tochter.

1896 regte Victoria die Renovierung der gotischen Johanniskirche an. Kronberg bekam einen Kanalisation, prosperierte und wurde zum Luftkurort. In ihren letzten Lebensjahren war Viktoria schwer krebskrank. 1901 ist sie gestorben. Sie wurde in der Johanniskirche aufgebahrt.

Text: Christiane Gensrich
© Taunus-Zeitung, 27.12.2001

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