| Demut war ihr ein Gräuel. Statt dessen forderte Victoria von Preußen Arbeit für Frauen und gründete den Verein der Berliner Künstlerinnen. Der feiert nun ihren 100. Todestag mit einer Ausstellung | |
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Nein, eine Schönheit war sie nicht. Was Prinz Friedrich Wilhelm
von Preußen an der 17-jährigen Prinzessin aus England
entzückte, war mehr als ihre tiefblauen Augen und ihre rundlichen
Gesichtszüge, die sie ihrer Mutter Queen Victoria so ähnlich
machten. Was der Hohenzollernprinz an seiner Braut Victoria
schätzte, das war ihre Intelligenz.
Anlässlich ihres hundertsten Todestages zeichnet eine Ausstellung des Vereins der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V., zu dessen Förderern Victoria gehörte, im Schloss Babelsberg Schauplätze jener Kronprinzessin nach, die sich wie keine andere preußische Herrscherin in politischen und wirtschaftlichen Fragen auskannte - und dadurch den Missmut der Männerwelt auf sich zog. Doch weder Bismarcks Antipathien konnten sie daran hindern, ihren Mann in politischen Angelegenheiten zu beeinflussen, noch die höfische Etikette, die der Frau demütige Zurückhaltung gebot. Neben den farbenfrohen Impressionen, die die Berliner Künstlerin Rita Preuss von den Orten und Gegenständen eingefangen hat, die bezeichnend für Victorias Leben in Preußen waren, zeigt die Ausstellung die stimmungsvollen Fotografien von Elke Nord. Sie hat u. a. Victorias Frühstückszimmer in Schloss Babelsberg aufgenommen. Zahlreiche historische Fotografien deuten die erfrischende Normalität des höfischen Familienlebens an. Sie zeugen von der zärtlichen Liebe Victorias zu ihren Töchtern. Von den Spannungen, die später zwischen Victoria und ihrem Sohn, dem späteren Kaiser Wilhelm II., bestanden, erzählen die idyllischen Familienbilder allerdings noch nichts. Zu den besonderen Exponaten gehören zweifelsohne die Werke, die das künstlerische Schaffen der Prinzessin und späteren Kaiserin selbst dokumentieren. Neben ihrem Einfluss auf das künstlerische Leben Berlins und seine Museumslandschaft stellt die Schau Victoria als Malerin dar. Familienfeste wie die Trauung ihrer Tochter gehören ebenso zu ihren Motiven wie Porträts von Bediensteten. Victoria hielt das herrschaftliche Porträt eines indischen Dieners ihrer Mutter in Öl fest, sie aquarellierte ein Kindermädchen mit einem Baby im Arm. Nicht zuletzt in dieser Motivwahl deutet sich ihr großes Interesse an den sozialen Verhältnissen an, die ihr ebenso ein Anliegen waren wie die Förderung der weiblichen Erwerbstätigkeit. Auch die Gründung des Reichsgesundheitsamtes war zu einem großen Teil ihrem Einsatz zu verdanken. Victoria war erfüllt von den Ideen des bürgerlichen Liberalismus. Die Einführung der parlamentarischen Demokratie gehörte ebenso zu ihren Zielen wie der wissenschaftliche Fortschritt. Doch als ihr Mann 1888 endlich den Kaiserthron bestieg, blieb den beiden nur wenig Zeit. Kaiser Friedrich III. starb nach 99 Tagen Regierungszeit. Ihr Sohn trat seine Nachfolge an. Doch der Geist, der seine Regentschaft bestimmte, die sich mit dem Ersten Weltkrieg nicht nur zu den unheilvollsten Epochen preußischer Geschichte entwickelte, sondern auch die Monarchie beendete, war sicher nicht im Sinne der Mutter. Victoria, die sich seit dem Tod ihres Mannes nur noch Kaiserin Friedrich nannte, erlebte das Ende der Macht des Hauses Hohenzollern nicht mehr. Sie starb am 5. August 1901 auf ihrem Witwensitz Schloss Friedrichshof in Kronberg an Krebs. Schloss Babelsberg, bis 28. 10., Di. - So., 10 - 17 Uhr. | |
Text: Claudia Becker
© Berliner Morgenpost, 10.1.2001