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Potsdam - Schon das helle Äußere macht Appetit
auf Mehr. Wer die Straßenfront des in den letzten Monaten
aufwändig restaurierten Krongutes Bornstedt sieht, ist
begeistert. Auch im Innern laufen die von der Krongut Bornstedt
Parkgesellschaft koordinierten Arbeiten auf Hochtouren. «Wir
liegen im Plan. Im Spätherbst wird eröffnet,»
bestätigen die Geschäftsführer Wolfram Seyfert und
Friedhelm Schatz. Ursprünglich sollten die Arbeiten zur
Wiederherstellung des 1846 entstandenen Krongutes an der
Rückfront des Sanssouci-Parkes noch zur Buga abgeschlossen
werden.
Doch der Abriss mehrerer zu DDR-Zeiten auf dem Areal errichteter Gebäude war zeitaufwändig. Die Struktur des einstigen königlichen Gutes ist mittlerweile komplett erlebbar. Im Rahmen von «Jugend mit Perspektive» werden junge Leute demnächst das danebenliegende Schulhaus, in dem eine historische Schulstube und das Archiv mit alten Dokumenten eingerichtet werden soll, sanieren. 24 Millionen Mark kostet die zeitgemäße Revitalisierung des Krongutes. 30 Prozent davon sind Mittel aus der Landesförderung. Die Ziele für den größten Hofladen im Land Brandenburg sind hoch gesteckt: Rund 300 000 Besucher werden pro Jahr erwartet. In den einstigen Kuhstall soll eine Brennerei als Außenstelle der Havelländer Obstler GbR Reppinichen, sowie eine Hausbrauerei betrieben werden. In das einstige Federviehhaus kommt das Café. 350 Plätze hat der gastronomische Bereich insgesamt. Geschichte soll hautnah und möglichst lebendig, auch durch Figuren in historischen Kostümen, präsentiert werden. Die Attraktion: ein Spielplatz mit historischen Geräten. In der ehemaligen Scheune und der Remise soll sich Brandenburger Handwerk präsentieren. Zu den Gewerken gehören: Kunstgießerei, Böttcherei, Handweberei, Bürstenmacher, Zinngießer, Uniformschneider sowie Hut- und Putzmacher. Angestrebt werde kein Disneyland, sondern eine «Brandenburgmanufaktur». Dazu kommt eine Glashütte, in der Besucher sich in die Zeit von Johann Kunckel, der bereits 1678 eine Glashütte an der Havel betrieb, zurückversetzen können. Im einstigen Herrenhaus, in dem der spätere 99-Tage-Kaiser Friedrich III. (1831 - 1888) zusammen mit seiner Frau, der englischen Prinzessin Victoria (1840 - 1901) lebte, sollen historische Räume eingerichtet werden. Seyfert: «Dort können dann die Hochzeitsgäste, die zuvor in der gegenüberliegenden Bornstedter Kirche waren, gleich am historischen Ort feiern.» Am 5. August wird im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100. Todestages von Victoria anlässlich des «Kaiserin-Friedrich-Gedächtnistages» eine Führung durch das nach italienischem Vorbild errichtete Krongut veranstaltet. Info: Details über Kronprinzessin Victoria und «ihr» Krongut kann man erstmalig in dem jetzt in einer stark überarbeiteten Neuauflage erschienenen Buch «Bornstedt Friedhof Kirche» (Herausgeber: Gottfried Kunzendorf und Manfred Richter, Verlag Hentrich und Hentrich,Teetz 2001, 235 Seiten, 29.90 Mark) nachlesen. |
Text: Dieter Weirauch und Klaus Rümmler
© Berliner Morgenpost, 8.6.2001