Sonderöffnung der Sakristei und des Mausoleums im Bauensemble der Friedenskirche

Am 5. August 1901 starb Kaiserin Friedrich, die älteste Tochter der britischen Königin Victoria, auf ihrem Witwensitz Schloss Friedrichshof bei Frankfurt am Main. Als sie mit 17 Jahren am 25. Januar 1858 im Londoner St. James Palace dem preußischen Kronprinzen ihr Ja-Wort gab, fand eine europäische Traumhochzeit statt, die vor allem auch wegen der sichtbaren Zuneigung beider Ehegatten Aufsehen erregte.

Mit der Sonderöffnung der Sakristei und des Mausoleums im Bauensemble der Potsdamer Friedenskirche sowie mit einer Ausstellung, die am 4. August 2001 im Schloss Babelsberg eröffnet wird, wollen die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, die Evangelische Gemeinde der Friedenskirche und der Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V. in diesem Jahr gemeinsam an Kaiserin Friedrich erinnern.

Sakristei
Der Sakristeiraum befindet sich neben dem Altar der Friedenskirche. Er wurde 1861 - 1890 von der Hohenzollernfamilie als Grabkapelle genutzt. Zwei Jahre nach ihrer Ankunft in Preußen hatte Victoria 1861 hier als junge Prinzessin mit der königlichen Familie am Sarg von Friedrich Wilhelm IV. gestanden. Für die Einundzwanzigjährige war es die erste Begegnung mit dem Tod. Fünf Jahre später musste sie in diesem Raum von ihrem vierten Kind, ihrem Sohn Sigismund, der 1866 an Hirnhautentzündung starb, Abschied nehmen. Ihr noch nicht zwei Jahre alter Sohn Sigismund starb 1866 an einer Hirnhauentzündung. Um diesen Schicksalsschlag zu überwinden, verließ Victoria nach der Beisetzung mit ihren Kindern Wilhelm, Charlotte, Heinrich und Victoria Sanssouci. Wie Kaiserin Sissy, die österreichische Taufpatin des verstorbenen Prinzen, setzte sich nun auch die preußische Kronprinzessin in den Lazaretten für die Opfer des Deutsch-Österreichischen Krieges ein.

Nach der Heimkehr ihres Mannes nahm sie sich der Gestaltung der Grabstätte ihres verstorbenen Sohnes in der Friedenskirche an. Nach Victorias Vorgaben wurde die Sakristei in neuen Farben gefasst. Ein Wandgemälde von Carl Gottfried Pfannschmidt und das »Porträt des Prinzen«, das wahrscheinlich nach einem Modell der Mutter in Marmor übertragen worden ist (es befindet sich seit 1890 am neuen Prinzengrabmal im Mausoleum der Kirche), bildeten damals den Hauptschmuck des schlichten Kirchenraums. Bei den privaten Andachten am Grab ihres Kindes nahmen die Eltern in eigens für diesen Raum entworfenen Eichensesseln Platz.

1879 verlor das Kronprinzenpaar einen weiteren Sohn. Der elfjährige Prinz Waldemar starb an Diphtherie. Dessen Sarg wurde in der Sakristei der Friedenkirche vor dem Sarkophag seines Bruders aufgestellt. Nachdem Victoria am 15. Juli 1888, nach nur 99 Regierungs-Tagen, auch ihren krebskranken Mann, Kaiser Friedrich III., verlor, musste auf dem Kirchengelände eine repräsentative Grabstätte gefunden werden.

Mausoleum
Victoria, die nun als Witwe den Namen Kaiserin Friedrich annahm, fand die Grabstätte im Hof der Kirche, wo sich gegenüber der "Mosesgruppe" von Christian Daniel Rauch ursprünglich eine kleine Kapelle mit der Marmorfassung der "Pietà" von Ernst Rietschel befand. An der geöffneten Kapellenrückwand wurde 1888-1890 eine Grabrotunde aus massivem schlesischen Sandstein erbaut. Julius Carl Raschdorff, der spätere Baumeister des Berliner Doms, schuf hier mit kostbaren Materialien (Säulenschäfte: polierter schwarzer Labrador, Wandtäfelung: dunkler Serpentinit, an der Decke: venezianisches Goldmosaik) ein Kleinod der historistischen Architektur.

Im Mittelpunkt der Grabrotunde stehen die Sarkophage von Friedrich III. und Victoria, die am 13. August 1901 an seiner Seite bestattet worden ist. Sie stammen von Reinhold Begas, dem Schöpfer des Neptunbrunnens vor dem Berliner Roten Rathaus und des Schiller-Denkmals auf dem Berliner Gendarmenmarkt.

Die Sarkophage für Sigismund und Waldemar wurden in die östliche Altarnische eingefügt. Ihre Särge waren gemeinsam mit dem ihres Vaters am 18. Oktober 1890 aus der Sakristei in das neuerbaute Mausoleum überführt worden. Die Skulpturengruppe auf dem Grabmal des Prinzen Sigismund, eine geflügelte Todesgenie, die ein Kind in ihren Armen hält, ist ein Meisterwerk von Reinhold Begas. Die Porträtbüsten der Kindergrabmale - das Porträt des Prinzen Sigismund wurde von seinem ehemaligen Grab in der Sakristei der Friedenskirche auf den Sarkophag im Mausoleum umgesetzt - sollen nach Modellen von Victoria in Marmor ausgeführt worden sein. Ernst Rietschels "Gruppe der Pietà", die beim Bau des Mausoleums aus der Kapelle im heutigen Eingangsbereich entfernt worden ist, wurde 1890 in der Nische der Rotunde als Altarplastik aufgestellt.

Am 5. August 2001, dem 100. Todestag von Kaiserin Friedrich, findet unter der Schirmherrschaft Seiner Königlichen Hoheit des Prince of Wales und des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg Dr. Manfred Stolpe in der Bornstedter Kirche eine Gedenkveranstaltung statt.

Zur Ausstellung in Schloss Babelsberg erscheint der Katalog "Auf den Spuren von Kronprinzessin Victoria – Kaiserin Friedrich (1840-1901)", SPSG, 2001 (DM 26,00), mit zahlreichen Abbildungen und Aufsätzen zur Sakristei, zum Mausoleum und zur Beisetzung der Kaiserin.
Der Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V. präsentiert in Babelsberg zeitgenössische Gemälde von Rita Preuss, die Victoria gewidmet sind.
Der Aufsatzband "Victoria von Preußen 1840-1901 in Berlin 2001", herausgegeben von Karoline Müller und Friedrich Rothe, enthält umfangreiches Quellenmaterial zum Leben der Kaiserin (DM 36,00).



Öffnungszeiten der Sakristei: täglich 9.30 bis 17.00 Uhr
Öffnungszeiten des Mausoleums: Samstag und Sonntag 9.30 bis 17.00 Uhr
Zeitraum: 28. Juli bis 14. Oktober 2001
Der Eintritt ist frei.

SPSG-Pressereferat, Telefon 0331/9694-318, Fax 0331/9694-102
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