Vor 100 Jahren: Tod der Kaiserin ...

Vor genau 100 Jahren - am kommenden Sonntag, 5. August, verstarb Kaiserin Friedrich auf ihrem Witwensitz, Schloss Friedrichshof augrund eines Krebsleidens. Der folgende Artikel möchte einige Hintergründe zum Tod Victorias und zu den Trauerfeierlichkeiten, die damals für die verstorbene Kaiserin in der Johanniskirche stattfanden, darstellen.

Seit einem Reitunfall, der sich beim Schafhof unweit von Kronberg im Herbst 1898 ereignet hatte, war es Kaiserin Friedrich gesundheitlich zunehmend schlechter gegangen. Sie litt an Rückenmarkskrebs und wusste schon länger von ihrer Krankheit, ließ jedoch so gut wie nichts an die Öffentlichkeit dringen und ergab sich ihrem Schicksal sehr gefasst. Selbst ihre nahen Verwandten und Vertrauten schien Victoria bis zum Schluss über ihr Leiden im Unklaren gelassen zu haben.

In den letzten Monate muss die Kaiserwitwe aber unter furchtbaren Schmerzen gelitten haben, sodass sie Morphium zur Linderung ihrer Qualen erhielt. Am 5. August 1901 - es war ein Montag - verstarb sie schließlich gegen 18 Uhr. Noch am selben Arbend infromierte die in Königstein erscheinende Taunus-Zeitung in einer "Extra-Ausgabe" die Bevölkerung: "Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich ist soeben durch den Tod von ihrem schweren Leiden erlöt worden."

"Ich wünsche aufgebahrt zu sein nicht an der Stelle, wo ich so große Qualen gelitten, sondern in der Johanniskirche in Cronbert, wo ich so of Tröstung gefunden habe", diesen persönlichen Wunsch soll Victoria kurz vor ihrem Tod an ihre Angehörigen herangetragen haben. Die Johanniskirche war ihr neben der alten Burg während ihrer Kronberger Jahre besonders ans Herz gewachsen. Die Monarchin hatte die Renovation der alten Stadtkirche sehr gefördert und eine neue Orgel für das Gotteshaus gestiftet.

In der Taunus-Zeitung vom 8.8.1901 ist zum Tod Victorias nochmals Folgendes festgehalten: "Am Montag abend 6 1/4 Uhr wurde Kaiserin Friedrich in Schloß Friedrichshof von ihrem langen und schweren Leiden durch einen sanften Tod erlöst; ganz Deutschland ist in tiefer Trauer um die Gattin und Pflegerin des unvergesslichen Kaiser Friedrich, die Mutter unseres erhabenen Kaisers Wilhelm II. (...). Auch die Stadt Cronberg hat einen Riesenkranz mit schwarzer Schleife und Widmung überreicht...."

In der selben Zeitung von Dienstag, dem 13.8.1901, ist zu lesen: "Am Samstag abend um 1/2 10 Uhr hat die Überführung der Leiche der Kaiserin Friedrich von Schloß Friedrichshof nach der Stadtkirche in Cronberg stattgefunden. Cronbert hatte große Trauer angelegt, die Straßen, welche der Trauerzug berührte, waren sinnig dekoriert, weiße Fahnenstangen, die schwarzer Flor umgab (...). Pünktlich um 9 1/2 Uhr setzten die Glocken von Kronberg und Schönberg in mächtigem, feierlich-ernstem Klange ein; weihevoll verkündeten die Töne den Augenblick, in dem die Leiche der Kaiserin aus ihrem geliebten Heim getragren wurde. Ein starker Lichtschein über den alten Bäumen des herrlichen Schloßparkes ließ erkennen, daß der Zug der Fackelträger sich in Bewegung gesetzt. (...). Zwölf Unteroffiziere des 80. Infanterie-Regimentes trugen den schweren Sarg, auf dessen Bahrtuch die Flagge der Kaiserin mit der Kaiserkrone darauf ruhte (...). Hinter dem Sarge schritt ernsten Antlitzes der Kaiser in großer Generalsuniform mit den Marschallabzeichen (...). 10 1/4 Uhr langte der Zug vor der Kirche an. Zwei Stabsoffiziere und zwei Hauptleute vom 80. Regiment erwarteten den kaiserlichen Sarg im Chor der Kirche. Hofprediger Dryander und Pfarrer Aßmann-Cronberg nahmen ihn hier in Empfang und geleiteten ihrn vor den Altar, vor welchem eine purpurne Decke ausgebreitet, auf die der Sarg gestellt wurde

Die beiden Stabsoffiziere und Hauptleute hielten nun zu beiden Seiten des Sarges mit gezogenem Säbel Wache. D. Dryander sprach, nachdem der Kaiser an den Sarg getreten, das Gebet: "Aus der Tiefe rufe ich Herr zu Dir! Herr, höre meine Stimme." Der Kaiser legte darauf einen Lorbeerkranz mit weißer Atlasschleife, die er ordnete, auf den Sarg der Mutter und kniete, das Gesicht mit den Händen verhüllend, einige Augenblicke in stillem Gebet nieder, die übrigen Fürstlichkeiten und das Gefolge folgten seinem Beispiel. Damit war die ebenso einfache wie würdige Feier zu Ende...

Weiter schreibt das Blatt: "Die gestern Sonntag Nachmittag in der Stadtkirche zu Kronberg stattgehabte kirchliche Hauptfeier brachte bei dem schönen Wetter wieder Tausende nach Cronberg.(...). Kurz vor 4 Uhr rollten ca. 60 Wagen mit den Fürstlichkeiten vorüber. Der Kaiser in der Uniform der Posener Leibhusaren, des Regiments der verstorbenen Kaiserin, König Eduard von England in preussischer Gardedragoneruniform, die Kaiserin und die Königin.(...). Kranzschmuck bedeckte die Wände des Altarraumes, Kranz- und Blumenschmuck verdeckten völlig den Sarg. Zu beiden Seiten des Sarges standen Unteroffiziere mit den umflorten Fahnen des 80. Infanterieregimentes, die Offizierswache bildeten zwei Vertreter des Posener Leibhusarenregiments in ihrer kleidsamen schwarzen und doch keck genug aussehenden Tracht neben zwei Offizieren des 80. Regiments, alle im Paradeanzug mit Trauerabzeichen. (...) Zur festgesetzten Zeit erschienen unter Orgelklang das Kaiserpaar mit dem englischen Königspaar und den kaiserlichen Prinzen, die sofort den Degen zogen und an die Seite der Offizierswachen traten. Die eigentliche Feier nahm nur etwa eine halbe Stunde in Anspruch (...)"

Montagabends, dem 12. August, wurde der Sarkophag von der Johanniskirche zum Kronberger Bahnhof gebracht und mit einem Sonderzug nach Potsdam überführt. Dort wurden die sterblichen Überreste der Monarchin in dem neben der Friedenskirche befindlichen Mausoleum, das schon Kaiser Friedrich III als Grablege diente, beigesetzt.

Text: (war)
© Kronberger Bote, 1.8.2001

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