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Als Queen Victoria das Porträt ihrer Tochter als Witwe zum ersten
Mal sah, kommentierte sie: "Quite beautiful though very sad - a look
she has so often now, poor dear." ("Sehr schön, obgleich sehr
traurig - einen Ausdruck, den sie jetzt so oft hat, die
Ärmste"). Das fast lebensgroße Ölgemälde der
deutschen Kaiserin und preußischen Königin Victoria, die
sich nach dem Tod ihres Mannes zu dessen Ehren "Kaiserin
Friedrich" nennen ließ, vermittelt dem Betrachter die Tragik
ihres Verlustes.
Das düstere Bild ihrer Trauer ist Teil einer Ausstellung, die momentan in Schloss Fasanerie in Eichenzell bei Fulda unter dem Titel "Im Schatten der Krone - Victoria Kaiserin Friedrich" zu deren hundertsten Todestag zu sehen ist. Im eigens für diese Schau umgestalteten Badehaus des ehemaligen Lustschlosses erhellen zahlreiche Exponate die Lebensumstände einer Frau, deren historische Bedeutung sich gegen den eigenen Wunsch auf ihren jeweiligen Status als Tochter, Ehefrau und Witwe reduzierte. Gesellschaftsgestaltender oder gar politischer Einfluss blieben Victoria trotz aller Ambitionen weitgehend versagt. Sie verharrte in erzwungener Passivität. Ihr damals fortschrittliches Engagement für weibliche Schul- und Berufsausbildung resultierte aus der Beobachtung der zahllosen Kriegswitwen, die plötzlich allein für ihren Unterhalt sorgen mussten. Einen Ausgleich für den schmerzhaft empfundenen Mangel an Wirkungsfeldern suchte und fand sie in der Beschäftigung mit Kunst und in der eigenen künstlerischen Betätigung. Als älteste Tochter der englischen Königin 1840 auf Schloss Kensington geboren, wuchs Victoria als Princess Royal an einem der damals mächtigsten Höfe der Welt auf. Bei der Eröffnung der Weltausstellung in London begegnet die Elfjährige zum ersten Mal Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen. Nach einem Wiedersehen zwei Jahre später widmet sie ihm eine eigene Zeichnung. Knapp 18-jährig heiratet Victoria den Prinzen - und das Paar wird von einer jubelnden Menge in Berlin und Potsdam begrüßt. Dennoch verharrt das Kronprinzenpaar in jahrzehntelanger Warteposition: Als designierter preußischer Thronfolger muss Friedrich Wilhelm 56 Jahre alt werden, um nach dem Tod seines Vaters für ganze 99 Tage als Friedrich III. regieren zu können. Bei der Kaiserkrönung bereits todkrank, ist ihm die lang ersehnte Umsetzung seiner politischen Pläne unmöglich. Innerhalb von drei Monaten wird aus der Kronprinzessin die Witwe Kaiser Friedrichs und die Mutter des neuen Kaisers Wilhelm II., der seinem Vater als 29-Jähriger auf den Thron folgt. Auch in dieser neuen Rolle ist Victoria zur politischen Untätigkeit verdammt, weil das Verhältnis zu ihrem Sohn von Spannungen und gegenseitigen Enttäuachungen geprägt ist. Die Kunstbegeisterung der Kaiserin, die selbst von Jugend an eine fundierte Ausbildung in Malen und Zeichnen erhalten hatte, überbrückt ihre glücklose Situation und wird zum Lebensinhalt. Ein repräsentativer Querschnitt ihres Oeuvres mit Porträts ihrer Kinder und Werke zeitgenössischer Persönlichkeiten mit Landschaften und Stillleben sorgen für das hohe Niveau der Ausstellung. Deren zweiter Schwerpunkt liegt auf der Sammelleidenschaft Victorias, die ihre Erwerbungen mit beträchtlichem Sachverstand tätigte. Selbst versiert konnte sie zusätzlich jederzeit die Beratung namhafter Künstler und Berliner Museumsfachleute beanspruchen. Dem Kontakt mit dem bekannten Berliner Sammler Ferdinand Robert Tornow, der ihren fundierten Kunstsinn schätzte verdankte Kaiserin Friedrich die Erbschaft seiner umfassenden Sammlung. Bedeutende Stücke dieses fast 1500-teiligen Schatzes europäischer Kunstobjekte wie kostbare Musikinstrumente, Skulpturen, Trink- und Parfumgefäße, Edelmetall- und Porzellanfiguren, Gläser und Silbergerät sind in den Vitrinen von Schloss Fasanerie zu besichtigen. Besonders umlagert sind stets die Kuriosa der Sammlung - wie die so genannte "Schnapsbibel oder das Teufelsgebetsbuch" aus weißem Steinzeug, dessen Hohlraum entweder mit heißem Wasser zum Händewärmen oder mit geistigen Getränken" gefüllt als Seelentröster diente. Außer zahlreichen zeitgenössischen Fotografien, Briefen und Zeitdokumenten zeigt die Ausstellung in Schloss Fasanerie im Obergeschoss auch die Nachbildung eines Wohnraums der Kaiserin in Schloss Friedrichshof in Kronberg (heute Schlosshotel) und Abbildungen des Ambientes. In den Originalräumen ihres Kronberger Witwensitzes hatte die Kaiserin genügend Platz für ihre umfangreiche Sammlung gefunden. Hier lebte sie bis zu ihrem Tod im August 1901 - umgeben von ihren Kunstschätzen. Die Taunusstadt würdigt ihre Verdienste seit Jahresanfang mit einer Reihe von Veranstaltungen | |
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Die Ausstellung in Schloss Fasanerie in Eichenzell im Kreis Fulda ist bis
zum 31. Oktober dienstags bis sonntags von 10
bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter
http://www.schloss-fasanerie.de. |
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Text: Carla Ihle-Becker
© Frankfurter Rundschau, 30.6.2001