| In diesem Jahr erinnern die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und der Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V. an den 100. Todestag Victorias, der späteren Kaiserin Friedrich, mit einer Ausstellung im Schloss Babelsberg. Der Verein der Berliner Künstlerinnen zeigt im Rahmen der Schau auch Gemälde der Hannah-Höch-Preisträgerin Rita Preuss unter dem Motto "Arcadia borussiensis Victoriae". Aus der Zusammenarbeit mit dem Verein hat sich eine reizvolle Synthese historischer Exponate in drei Räumen des Schlosses und moderner Malerei im Speisesaal ergeben. | |
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Die am 21. November 1840 im Londoner Buckingham Palace geborene
Victoria Adelaide Mary Louise war das älteste Kind der
Königin Victoria von Großbritannien und Irland und des
Prinzgemahls Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Der Titel "Princess
Royal" wurde ihr als erstgeborener Tochter der Monarchin und
potentiellen Thronerbin verliehen, falls kein männlicher
Nachkomme am Leben blieb.
Vicky, wie sie im Familienkreis genannt wurde, hatte die Begabung und Intelligenz ihres liberalen Vaters geerbt und erhielt von ihm sowie entsprechend ausgesuchten Lehrern eine umfassende kosmopolitische Erziehung und Bildung. Während der Londoner Weltausstellung 1851 lernte die 11-Jährige ihren zukünftigen Gemahl Friedrich Wilhelm, den ältesten Sohn des späteren preußischen Königs und deutschen Kaisers Wilhelm I., kennen. Am 25. Januar 1858 heiratete sie ihn im Alter von 17 Jahren in der Kapelle des Londoner St. James Palace. Zeitdokumente, Fotos, graphische Blätter illustrieren die Herkunft Victorias und ihre Ankunft in Preußen im Jahr 1858. Mit Bedacht wählte die Stiftung das Babelsberger Schloss als Ort der Präsentation: Hier verlebte sie ihren ersten Sommer als verheiratete "Prinzessin Friedrich Wilhelm von Preußen". Mit der Ehe verbanden Victorias Eltern die Hoffnung auf eine Wandlung Preußens in ein parlamentarisches Regierungssystem nach englischem Vorbild. Obwohl die Verbindung auch unter politischen Gesichtspunkten gewählt wurde, war sie doch vor allem eine Liebesheirat. Das preußische Thronfolgerpaar führte eine sehr glückliche Ehe. Begeistert widmete sich die Kronprinzessin ihrer Aufgabe als Mutter von acht Kindern. Der frühe Tod zweier Söhne, Waldemar und Sigismund, deren Porträts in der Bibliothek zu sehen sind, traf sie schwer. Mit ihrer teilweise rigorosen Ablehnung der preußischen Militär- und Machttradition schuf sie sich jedoch Feinde bei Hofe, in der Aristokratie und Bürokratie. Ihr größter Gegner war der spätere Reichskanzler Otto von Bismarck, der schon anlässlich der Eheschließung prophezeit hatte: "Gelingt es ihr, die Engländerin zu Hause zu lassen und Preußin zu werden, so wird sie ein Segen für das Land sein." Verständlicherweise empfand sie die geistige Enge und politische Ablehnung, die sie in Berlin - von Seiten der Regierung und des Hofes - erfuhr als Käfigleben. Auch "aus Vergnügen, Theater, Gesellschaften etc. [...] mache ich mir nichts - hasse u. fliehe das alles vielmehr - die frivole nutzlose Existenz, die man hier führt in ihrer tötenden Monotonie, finde ich geradezu vernichtend für Geist u. Körper!", schrieb sie ihrem Mann am 25. April 1864. So wundert es nicht, dass sie für sich und ihre Familie ein Refugium suchte, das sie in Potsdam fand. Das Neue Palais wurde ihnen 1859 als Sommerresidenz zugewiesen, 1867 erhielten sie das Krongut Bornstedt zum »Nießbrauch und Naturalbesitz«. Während das in der Mitte des 19. Jahrhunderts vernachlässigte Neue Palais jahrzehntelang durch das Kronprinzenpaar restauriert wurde und gärtnerische Veränderungen und Verschönerungen nach den Angaben der Kronprinzessin, einer begeisterten Gartenanhängerin, erhielt, verwandelte das Paar Bornstedt zu einem landwirtschaftlichen Mustergut, bei dem es Reformideen praktisch anwenden konnte. Victoria kümmerte sich persönlich um die in der weiteren Umgebung vorbildliche Milchwirtschaft und um die Federviehhaltung. In der Ausstellung informieren Fototafeln über diese besonders wichtigen Wohnorte Victorias, ergänzt durch die Schlösser Babelsberg, Charlottenburg, Friedrichshof und das Kronprinzenpalais. Während der langen Wartezeit auf die Thronfolge ihres Ehemannes engagierte sich die Kronprinzessin auf künstlerischem, pädagogischem und sozialem Gebiet. Selbst Malerin und Kunstsammlerin, wirkte sie bei der Gründung des Berliner Kunstgewerbemuseums und der Kunstgewerbeschule mit, die sie besonders seit 1871, als Kronprinz Friedrich Willhelm zum Protektor der Schönen Künste und der Königlichen Museen ernannt wurde, mit Erfolg vorantreiben konnte. Sie unterhielt gemeinsam mit ihrem Gemahl einen "medicäischen Hof", verkehrte mit vielen Künstlern, wie den Malern Anton von Werner und Heinrich von Angeli, bei dem Victoria auch selbst Malunterricht nahm. "Kein anderer Hof ist jedermann so zugänglich, so liberal u. gastfreundlich. Wir empfangen jeden Beamten der Regierung, jeden Künstler od. Wissenschaftler [...] In Wien, Dresden, Weimar [...] wäre so etwas unerhört, kein Bürgerlicher ist dort hoffähig", schreibt sie in einem Brief an ihre Mutter, Queen Victoria, am 12. September 1872. Mit Vorliebe wurden auch scharfzüngige Liberale und Oppositionelle wie Virchow, Helmholtz und Du Bois Reymond in das Berliner Kronprinzenpalais oder in das Neue Palais eingeladen. Ihre eigenen künstlerischen Werke verschenkte Victoria oft oder nutzte sie, um Wohltätigkeitsveranstaltungen zu unterstützen, aber auch, um das Prestige der kunstschaffenden Frauen in der Gesellschaft zu verbessern. In den Porträts ihrer Kinder-, Kostüm- und Landschaftsstudien zeigt sich eine erstaunliche Begabung der Prinzessin, die seit ihrem dritten Lebensjahr Zeichenunterricht am elterlichen Hof erhielt. Ihr Talent wurde schon 1860 gewürdigt, als sie zum Ehrenmitglied der Berliner Akademie der Künste ernannt wurde. Besonders die Technik der Aquarellmalerei begeisterte sie. Später, 1881, nahm sie auch das Londoner Institut der Aquarellmaler als Ehrenmitglied auf. Victoria betätigte sich jedoch auch als Bildhauerin. Einige ihrer Handzeichnungen, ein Ölgemälde sowie zwei von ihr geschaffene Büsten dokumentieren in der Babelsberger Ausstellung die Vielfältigkeit ihres künstlerischen Oeuvres. Auch das Malschränkchen der späteren Kaiserin gehört zu diesem Themenkreis. Daneben sind in der Ausstellung die Bibliotheksmöbel aus dem Kronprinzenpalais, Porzellan, Majolika und Glas sowie Textilien aus dem Besitz von Victoria zu sehen. Verstärkt setzte sich die Kronprinzessin für die Frauenbildung ein. Vor allem lagen ihr Reformen des Gesundheitswesens und der Krankenschwesternausbildung (Victoriahaus für Krankenpflege) am Herzen. Victoria engagierte sich für viele verschiedene Vereine, deren Grundtenor stets die Verbesserung der Bildung und der Erwerbstätigkeit der Frauen war, wie beispielsweise der Lette-Verein oder der Frauenhilfsverein für die Kinderheilanstalten. Der erste öffentliche Spielplatz im Berliner Tiergarten soll auf ihre Initiative zurückgehen. Als ihr Gemahl am 9. März 1888 endlich nach 30-jähriger Kronprinzenzeit als Kaiser Friedrich III. den Thron bestieg, litt er bereits an unheilbarem Kehlkopfkrebs und regierte nur 99 Tage. Ihr Wunsch, ihm bei der Umsetzung seiner liberalen politischen und gesellschaftlichen Ideale zur Seite zu stehen, ging nicht in Erfüllung. Aller Hoffnungen und des Glücks beraubt noch ehe sie das 50. Lebensjahr erreicht hatte, nannte sie sich zum Andenken an den am 15. Juni 1888 verstorbenen Ehemann fortan Kaiserin Friedrich. Am preußischen Hof unerwünscht - das Verhältnis zum ältesten Sohn und Nachfolger Kaiser Wilhelm II. war außerordentlich problematisch - verlegte sie ihren Sommerwohnsitz nach Kronberg im Taunus und ließ sich von 1889 bis 1893 Schloss und Park Friedrichshof zum Gedächtnis an ihren Gemahl errichten. Jeglicher politischer und gesellschaftlicher Einflussnahme entzogen, widmete sie sich den sozialen und kulturellen Belangen in Kronberg. Dort starb sie am 5. August 1901 an den Folgen einer langen schweren Krebserkrankung. Nach Potsdam überführt, ruht sie im Mausoleum an der Friedenskirche im Park Sanssouci neben ihrem Mann und den beiden früh verstorbenen Söhnen.
Ort: Schloss Babelsberg
Kataloge:
Außerdem: Sonderöffnung der Sakristei und des Mausoleums im Bauensemble der Friedenskirche in Sanssouci 28. Juli bis 14. Oktober 2001 Öffnungszeiten der Sakristei: täglich 9.30 Uhr bis 17.00 Uhr Öffnungszeiten des Mausoleums: Samstag und Sonntag 9.30 bis 17.00 Uhr Der Eintritt ist frei. | |
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