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Vorwort

In der vorliegenden Arbeit, die auf Anregung meines hochverehrten Lehrers, Herrn Professors Dr. Hermann Wätjen, entstand, soll der Versuch gemacht werden, den Anteil der Kaiserin Friedrich an der deutschen Politik darzustellen. Wenn ich die Untersuchung formuliere: "Der persönliche Anteil der Kaiserin Friedrich an der deutschen Politik", so geschieht es unter der Voraussetzung, daß ich nur die Punkte, die mir als die wesentlichen erscheinen, herausgreife. Da die Kaiserin eine politisch außerordentlich stark interessierte Persönlichkeit war und daher an allen Tagesfragen ihrer Zeit lebhaften Anteil nahm, würde es im Rahmen einer Dissertation zu weit führen, das Thema erschöpfend zu behandeln. Ich schränke es aus diesem Grunde dahin ein, daß ich die Stellungnahme der Kaiserin zu einigen wichtigen politischen Ereignissen ihrer Zeit einer näheren Betrachtung unterwerfe. Da ihr in ihrer Eigenschaft als Kronprinzessin ein direktes Eingreifen in den Gang der Politik versagt war, stellt sich ihr politisches Wirken und Wollen am besten in ihrem Verhältnis zu dem Manne dar, der jener Zeit das Gepräge gab: nämlich Otto von Bismarck.
Als Grundlage dieser Untersuchung hat in der Hauptsache die Sammlung von Briefen der Kaiserin Friedrich, "Letters of the Empress Frederick", gedient, die Sir Frederick Ponsonby herausgegeben hat. Sie enthält eine Auswahl von Briefen der Kaiserin an ihre Mutter, die Königin Viktoria von England. Ihre Veröffentlichung sollte nach der Absicht des Herausgebers zur Rechtfertigung der Kaiserin dienen.
Wenn diese Sammlung auch nicht den vollständigen Briefwechsel der Kaiserin mit ihrer Mutter enthält und selbst wenn Sir Frederick Ponsonby einige aufschlußreiche Briefe, die er für seine Zwecke nicht gebrauchen konnte, weggelassen haben mag, so gibt das vorliegende Material doch ein so klares Bild ihrer Persönlichkeit und ihrer politischen Wirksamkeit, daß es auch durch neue Enthüllungen vermutlich nicht in seinen wesentlichen Zügen geändert werden kann, wenn es auch zu bedauern bleibt, daß der Briefwechsel zwischen der Kaiserin und Kaiser Friedrich III. bis jetzt verborgen geblieben ist. Die in englischer Sprache verfaßten Briefe sind von Anton Mayer ins Deutsche übertragen worden. Diese Uebersetzung wurde hier benutzt, soweit sie den Sinn des englischen Textes richtig wiedergibt.
Zur Ergänzung dieser Briefsammlung haben die Tagebücher Kaiser Friedrichs und die Briefe und Tagebücher der Königin Viktoria von England gedient. Wo diese Zeugnisse nicht ausreichten, halfen die nachgelassenen Schriften der Staatsmänner und führenden Persönlichkeiten jener Zeit weiter. Für die Geschichte des Krieges von 1870/71 wurden neben dem Kriegstagebuch Kaiser Friedrichs die Schriften von Roon, Moltke und Blumenthal herangezogen, und in der Frage des Battenbergischen Eheplanes gab das Buch von E. C. Corti: äAlexander von Battenberg. Sein Kampf mit dem Zaren und Bismarck" Aufschluß, weil darin die diesbezüglichen Briefe des Hartenau-Archivs in der Bearbeitung veröffentlicht sind. Für die Krankheitsgeschichte Friedrichs III. waren die Veröffentlichungen der behandelnden Aerzte maßgebend, so "Die Krankheit Kaiser Friedrichs III. nach amtlichen Quellen", ein Bericht, an dem alle behandelnden deutschen Aerzte mitarbeiteten, und die Verteidigungsschrift Mackenzies: "Friedrich der Edle und seine Ärzte". - Im Jahre 1929 erschien eine Dissertation von Walter Weller: "Mackenzie als Arzt Friedrichs III.", in der auch auf das Verhalten der Kaiserin während der Krankheit ihres Gemahls eingegangen wird, wenn auch unter einem anderen Gesichtspunkt, wie es die Zwecke meiner Arbeit erfordern. Eine allgemeine Charakteristik Viktorias auf Grund ihrer Briefe, hat Heinrich Otto Meisner in einem Aufsatz "Kaiserin Friedrich" gegeben, der in den Preußischen Jahrbüchern 1929 erschienen ist. Arnold Oskar Meyer hat in den Süddeutschen Monatsheften 1929 unter dem Titel: "Kaiserin Friedrich und Bismarck" eine Darstellung des Kampfes zwischen der Kaiserin und dem Kanzler veröffentlicht. Während der Drucklegung erschienen "Die geheimen Tagebücher Ludwig Bambergers". Als Vertrauter und geheimer Ratgeber der Kaiserin Friedrich ist er genau über die Vorgänge am Hofe unterrichtet. Seine Aufzeichnungen verdeutlichen das Bild der Kaiserin, ohne es jedoch zu verändern.

Marie Luise Aufermann

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