4.4. Kronprinz Friedrich Wilhelm als Protektor der Schönen Künste und der Königlichen Museen

"Der Kronprinz sei durch diese Ernennung vollständig überrascht gewesen und zwar keineswegs in angenehmer Weise, da er sie wohl als eine Kaltstellung auf politischem Gebiete, auf dem er sich selbständig mit zu betätigen hoffte, betrachtete."[144]
1871, nachdem Berlin Hauptstadt des neuen Kaiserreiches geworden war, wurde Friedrich von seinem Vater zum Protektor der Königlichen Museen ernannt, um für ihn eine angemessene zivile Aufgabe zu finden, die ihn davon abhalten sollte, in das politische Geschehen einzugreifen.[145]
Trotz der Schattenseite - die politische Machtlosigkeit -, welche die Ernennung politisch für Friedrich mit sich brachte, nahm er sein repräsentatives Ehrenamt sehr ernst und kümmerte sich fortan unermüdlich um die Erhöhung der finanziellen Zuschüsse zur Erweiterung der Königlichen Sammlungen.[146] Während seiner 17jährigen Tätigkeit versuchte er außerdem, das Berliner Bürgertum für die Sammlungen zu begeistern und erhoffte sich dadurch sowohl Spenden als auch Stiftungen von Kunstwerken zugunsten der Museen. Seine Aufmerksamkeit in Richtung privater Förderer bezeugte auch der zwar erst nach seinem Tode 1896 durch Wilhelm von Bode (1845 - 1929) begründete, allerdings nach ihm benannte und bis heute aktive Kaiser-Friedrich-Museums-Verein. Dieser sollte vorbildlich für die deutsche Museumsgeschichte werden und ermöglichte durch einen jährlichen Mitgliederbeitrag von 500 Mark zuerst die zügige Durchsetzung eines Neubaus für das Museum sowie Ankäufe von Kunstwerken, die dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wurden.[147]
In dieser Absicht handelte auch Wilhelm von Bode, der berichtete, daß mit dem Protektorat Friedrichs, "der lange Winterschlaf der Sammlung [des Nationalmuseums] endlich beendet [schien]".[148]
Friedrich gelang es durch die Erhöhung des Etats von 20.000 auf 108.000 Taler, den Museen eine bessere finanzielle Basis zu ermöglichen. 1888, während seiner nur 99 Tage währenden Kaiserzeit, erhöhte er den Etat sogar auf 400.000 Taler.[149] Noch 1887 im Dezember interessierte der Generaldirektor der Königlichen Museen zu Berlin, Richard Schöne, den Kranken für den schwierigen Plan der Bebauung der Berliner Museumsinsel, wobei er unter anderem durch Curtius unterstützt wurde. Fritz erklärte sich mit Schönes Plan einverstanden unter der Bedingung, daß er um ein "Gips-Museum für Architektur und Skulptur" erweitert werde. Alles sollte beschleunigt ausgeführt werden, und als Friedrich bald darauf Kaiser wurde, verpflichtete er ausdrücklich noch einmal den Kultusminister auf dieses Projekt.[150]
Dabei muß berücksichtigt werden, daß Friedrich bei der Durchsetzung seiner Ideen auf keinen Widerstand traf, da allen Instanzen daran gelegen war, die Museen auf internationalen Standard zu bringen. Ursache hierfür war, daß Preußen durch den Sieg über Frankreich sowohl im wirtschaftlichen wie auch politischen Aufwind stand und aufgrund der hohen Kriegsentschädigungen wie auch der Währungsstärke der Mark in der Lage war, Kunst aus dem Ausland leichter ankaufen zu können. Preußens Prestigesteigerung sollte sich auch in dem Wert seiner Kunstsammlungen niederschlagen und sein Ansehen gegenüber dem Ausland als Kulturnation steigern. 1875 protegierte Friedrich mit 80.000 Mark die Grabungen in Olympia, die sein alter Lehrmeister Curtius durchführte und bei denen der Hermes des Praxiteles entdeckt wurde. Dieser schrieb dem Kronprinzen: "Neu glänzt des Lebens Sonne mir, Und diesen Auferstehungsmorgen, Dies neue Leben dank' ich Dir."[151]
Zusätzlich nahm Friedrich sich der Museumsneubauten an, setzte sich für die Einrichtung von Münz- und Kupferstichkabinetten ein und engagierte sich vor allem - zusammen mit seiner Frau Victoria - für die Verbesserung des Berliner Kunstgewerbes nach englischem Vorbild. Darunter war auch die Ausstattung des 1881 im neuen von Martin Gropius erbauten Gebäude eröffneten Kunstgewerbemuseum.
Ferner änderte er den Status der Berliner Museen, den er selbst am 13.11.1878 erließ und der noch bis heute für die Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Gültigkeit besitzt. Dieser ermöglichte die fachliche Autonomie der Museen basierend auf der Autorität der Direktoren, die an die Stelle der Fürsten getreten waren. Erster Generaldirektor in diesem Sinne wurde Richard Schöne 1880, welcher den nicht professionell zum Kunsthistoriker ausgebildeten Generaldirektor, den Grafen Usedom ablöste. Die gute Freundschaft zwischen Schöne und dem Kronprinzen wirkte sich sehr positiv auf die Entwicklung der Museen aus.[152]

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