Hans Thoma starb vor 75 Jahren

Ein Landschaftsmaler mit Vorliebe für die Farbe Grün

Die bekanntesten Landschaftsbilder mit Titeln wie "Kronberg", "Sommer in Oberursel" oder "Taunustal" des Malers Hans Thoma nehmen einen großen Teil im Schaffen des Künstlers ein. Am Sonntag, 7.November, jährt sich sein Todestag zum 75. Mal. Mehr als 20 Jahre seines Lebens, von 1877 bis 1899, lebte der 1839 in Bernau im Schwarzwald geborene Künstler in Frankfurt. Die Sommer verbrachte er in Oberursel.
OBERURSEL. Nach den Worten der ehemaligen Vortaunus-Museumsleiterin Marianne Broecker-Liss war es "die Verwandtschaft von Schwarzwald und Taunuslandschaft", die Hans Thoma von 1894 bis 1898 veranlasste, die Sommermonate im damals noch ländlichen Oberursel zu verbringen. Hier bewohnte der Maler zunächst bis 1896 das Haus in der Taunusstraße 9. Heute weist eine Gedenktafel am Haus Nr. 20 in der umbenannten Altkönigstraße auf die Jahre 1896 bis 1898 hin, die der Maler in dem "etwas bequemeren Haus" verbrachte.
Der Aufenthalt in der Sommerfrische Oberursel und der spätere Hauskauf in Kronberg wurde dem Maler erst möglich, nachdem er zu Ruhm gelangt war. Bis zu seinem 60. Lebensjahr lebte Hans Thoma als freier Künstler. Vorwiegend Frankfurter Kaufmannsfamilien beauftragten ihn vor allem als Porträt-Maler. Ein Gesuch, nach dem Studium an den Kunstschulen Karlsruhe und Düsseldorf als Zeichenlehrer tätig zu werden, wurde abgelehnt.
Erst die großartige Retrospektive des Münchener Kunstvereins im Jahr 1890 führte, neben anderen Ausstellungen in der Zeit bis 1893, zum künstlerischen Durchbruch. Die Bilder aus der Frankfurter Zeit zeigen Landschaftsdarstellungen mit Menschen und Tieren eines "reifen Künstlers", die durch die mit größter Sorgfalt ausgeübte Pinselführung beeindruckten. Thoma arbeitete nach moderner Technik "en plein air". Er machte sich Skizzen in der Natur, die er dann im Atelier ausführte. Grün in allen Schattierungen spielt in seinem Gesamtwerk eine übergeordnete Rolle. Daher werde in Zusammenhang mit seinen Ölgemälden auch vom "Thoma-Salat" gesprochen, sagt der Kunsthistoriker Joachim Scherzer.
Obwohl er auf seiner Paris-Reise im Jahr 1868 Bilder des französischen Malers Courbet gesehen hatte, der mit seiner impressionistischen Malerei den Weg in die Moderne beschritt, ging Hans Thoma unbeirrt von allen Kunstströmungen der Zeit "seinen Weg". Er widmete sich ganz einer realistischen Darstellungsweise der Naturverbundenheit. Eine Verbundenheit des Menschen mit der Natur, die mit der zunehmenden Industrialisierung bei anderen zeitgenössischen Künstlern zu einer kritischen bildnerischen Umsetzung führte.
Den Vorwurf, dass sich Thoma einer bewusst politischen Darstellungsweise bedient habe, weist Thoma-Kenner Joachim Scherzer aber vehement zurück: "Er hat sich als kleiner Mann empfunden, der sein ,Deutschtum' nicht gegen die Engländer und Franzosen absetzen wollte". Gegen die Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten konnte sich Thoma nicht mehr wehren: Er starb 1924 in Karlsruhe, vielfach geehrt und ausgezeichnet, aber nicht unumstritten. 1899 war er zum Direktor der Gemäldegalerie und Professor für Landschaftsmalerei an der Großherzoglichen Kunstschule Karlsruhe berufen worden.
Sein überaus vielschichtiges Werk ist in der Hans-Thoma-Gedächtnisstätte im Vortaunusmuseum am Marktplatz in Oberursel weitgehend dokumentiert. Hier erstaunt der "Landschaftsmaler" mit Entwürfen für Majolika und Theaterkostüme und den zahlreichen Tierskizzen aus dem Frankfurter Zoo.
Die Thoma-Gedächtnisstätte ist zur Zeit nicht zugänglich, da sie renoviert wird: Ende November soll sie wieder geöffnet werden.

Text: Christiane Lampe
© Frankfurter Rundschau, 5.11.1999

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