Anton Burger 1824-1905

Ausstellung in der Streitkirche Kronberg

Ausstellung 22. Mai - 14. August 2005
Anton Burger: Selbstbildnis
Öl/Holz, 33.5x28.5 cm
Privatbesitz
Der Frankfurt-Kronberger Maler Anton Burger zählte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Künstlern in Frankfurt und der Region. Er war eine der zentralen Figuren der Kronberger Malerkolonie und der Stadt Kronberg.

Die Ausstellung widmet sich dem künstlerischen Wirken des geschätzten Kronberger Malers. Anläßlich seines 100. Todestages präsentiert die Ausstellung über 70 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen aus nationalem und internationalem Privat- und Museumsbesitz. Ergänzend werden Arbeiten seiner Schüler gezeigt, zu denen namhafte Künstler wie Philipp Franck, Fritz Wucherer, Ferdinand Balzer und Nelson Kinsley gehörten, aber auch heute nahezu unbekannte Maler und Malerinnen wie Friedrich von Amerongen, Carl von Bertrab, Adolf Chelius, Lorenz Maas, Mathilde Knoop-Spielhagen, Berta Bagge, Minna Roberth und Pauline Fresenius-Burger. In eindrucksvoller Weise wird der Einfluß des Lehrers anschaulich.

Anton Burger: Ausflügler im Taunus, 1888
Öl/Lw., 32x47,2 cm, Privatbesitz
Im Zentrum der Schau, die sich auf Themen aus Kronberg und dem Taunus konzentriert, stehen die Varianten innerhalb des Burgerschen Oeuvres. Auf Wunsch seiner Auftraggeber fertigte Burger häufig Variationen einmal gefundener beliebter Themen an. Für die Ausstellung ist es gelungen, zahlreiche bislang unbekannte Versionen begehrter Motive aufzuspüren. Ecksteine im Oeuvre des Wahlkronbergers wie "Im Kaffeegarten" - ein Bild, das 1858 zur ersten kunstkritischen Besprechung von Burgers Malerei Anlaß gab - oder "Der Adlerwirt Renker in Cronberg" - das Gemälde war seit über 100 Jahren nicht mehr ausgestellt und ist das Werk mit der höchsten Auszeichnung, die Anton Burger je zuteil wurde - runden den Blick auf sein künstlerisches Schaffen ab.

Anton Burger wurde 1824 in Frankfurt am Main geboren. 1838 - 1847 studierte Burger am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt bei dem in Düsseldorf geschulten Jakob Becker. Während seiner Ausflüge in den Taunus, die Burger mit Malerkollegen unternahm, erkannte er zusehends die Wichtigkeit des Naturstudiums. 1847 bis 1848 hielt sich Burger in München auf: anschließend war er in Frankfurt mit verschiedenen Auftragsarbeiten beschäftigt. 1850 heiratete Burger seine Jugendfreundin Catharina Elise Heislitz. 1852 reiste er für einige Tage mit seinen Künstlerfreunden Angilbert Göbel und Philipp Rumpf nach Paris.

Erschüttert vom Tod seiner Frau verließ Burger 1856 Frankfurt und ging mit Jakob Maurer nach Düsseldorf. Von dort aus reiste er nach Amsterdam und Antwerpen und studierte die Meisterwerke der alten Niederländer.

Anton Burger: Landschaft mit Ochsenfuhrwerken,
1869, Öl/Holz, 13.2x22.8 cm, Privatbesitz
Bereits in den 1850er Jahren war Burgers Themenrepertoire in seinem Facettenreichtum weitgehend angelegt. Es waren die Genreszenen - Hofräume, Wirtshausmotive, die kleinen Leute auf dem Land bei ihrer Arbeit, Frankfurter Altstadtbilder - und Landschaften, die er "voll Gemüthlichkeit und reicher Stimmung" zu schildern wußte. Bis auf wenige Ausnahmen bezog er seine Themen aus seiner Heimat, aus Frankfurt und dem Taunus.

Um dem großstädtischen Leben zu entfliehen, zog Burger 1858 von Frankfurt nach Kronberg, wo er zunächst im Gasthof "Zum schwarzen Adler" wohnte. Neben Jakob Fürchtegott Dielmann und Philipp Rumpf war Burger einer der ersten Maler, die sich nicht mehr nur in den Sommermonaten in Kronberg aufhielten. In der Stadt am Fuße des Taunus entstand eine Malerkolonie, dessen zentrale Gestalt Burger schließlich wurde.

Adolf Chelius: Schafherde bei aufziehendem Gewitter, Öl/Lw., 26.2x39,7 cm,
Kunsthandlung J.P. Schneider, Frankfurt
Bald schon überwand er die akademische Tradition seines Lehrers Jakob Becker und fand zu einer eigenen künstlerischen Sprache, die von tonigem bis frischem Kolorit, von fein lasierender Malweise bis hin zu einem gestisch pastosem Pinselstrich reichte und so die Bandbreite seines malerischen Könnens charakterisiert. Beschaulichkeit und Idylle prägten seinen Blick auf das Leben und die Landschaft in der Region. Die malerischen Standpunkte in den bereisten Kunstmetropolen München, Paris, Düsseldorf und Amsterdam beeinflußten dabei seine Kunstauffassung. Parallelen zu den Tendenzen stimmungsbezogenen subjektiven Erlebens in der französischen Landschaftsmalerei der Schule von Barbizon sind besonders augenscheinlich. Seine harmonisch staffierten Landschaften der Rhein-Main-Region, vor allem des Taunus und seine idyllischen, teils nostalgischen Genredarstellungen erfreuten sich beim Publikum besonderer Beliebtheit.

Anton Burger: Der Adlerwirt Renker in Cronberg
1861, Öl/Lw., 58x40.3 cm,
Neue Pinakothek München
1859 heiratete Burger die Kronberger Arzttochter Anna Küster und bezog kurze Zeit später eine Wohnung im Hennemannschen Haus in der Doppesstraße 3. Sein Atelier im "Adler" behielt er weiterhin. Burgers lebenslange Freundschaft mit dem Kronberger Apotheker Wilhelm Neubronner - dem späteren Hausherrn der Streitkirche - entwickelte sich in dieser Zeit. In den 1860er Jahren beteiligte sich Burger häufig an überregionalen und internationalen Ausstellungen. Zudem entstanden zahlreiche Künstlerbekanntschaften, so mit dem Romantiker Ludwig Richter und dem Erfinder der Bildergeschichten Wilhelm Busch. 1869 erhielt Burger auf der "Internationalen Kunstausstellung" in München die Goldene Medaille für sein Gemälde "Der Adlerwirt Renker in Cronberg". 1873/74 unternahm er eine Reise nach Italien, die jedoch künstlerisch ohne Einfluß blieb. Ende 1876 starb Burgers zweite Frau. Im Jahr darauf bezog er sein Wohnhaus in der Frankfurter Straße 21. Die Größe ließ die Aufnahme mehrerer Schüler zu, die teilweise mit im Haus lebten. Burger prägte das künstlerische Leben in Kronberg und beeinflußte zahlreiche Malerkollegen, vor allem seine Schüler. 1882 heiratete Burger zum dritten Mal: Pauline Fresenius war sieben Jahre zuvor als Schülerin in sein Atelier eingetreten.

Burgers volkstümliche Art ließ ihn schnell Anerkennung bei der eingesessenen Kronberger Bevölkerung erlangen. Als leidenschaftlicher Jäger beteiligte er sich in der Schützengesellschaft; im Männerturnverein und im Gesangverein engagierte er sich ebenfalls. Bei Festveranstaltungen und Theaterabenden sorgte er für Dekorationen und Kulissen. Sein lebensfrohes Wesen, seine Großzügigkeit und sein gastliches Haus brachten ihm den Beinamen "König von Kronberg" ein. Seine Kontakte nach Frankfurt, wo viele Abnehmer seiner Gemälde lebten, hielt Burger gleichwohl aufrecht.

Lorenz Maas: Idyllischer Hof mit Blick auf den Herd
Öl/Lw., 23x17 cm, Privatbesitz
Anläßlich seines siebzigsten Geburtstags fanden 1894 mehrere Ausstellungen und Ehrungen in Frankfurt, München und Kronberg statt. Anton Burger wurde zum königlich-preußischen Professor und zum Ehrenbürger der Stadt Kronberg ernannt. Schließlich kaufte die neue Pinakothek in München das Gemälde "Der Adlerwirt Renker in Cronberg" an - einer der ersten Museumsankäufe seiner Gemälde.

Die spätbiedermeierliche Romantik hatte Burger hinter sich gelassen. Die streitbare Avantgarde lag seiner Künstlernatur fern. Anton Burgers Stimmungsbilder ländlicher und bürgerlicher Genres, ausgeführt mit ästhetisch malerischer Raffinesse, bedienten in künstlerisch individueller Weise den Geschmack der Zeit.

In seinen letzten Lebensjahren litt Anton Burger an Schüttellähmung, so daß er kaum noch arbeiten konnte. Am 6. Juli 1905 starb er im Alter von 80 Jahren in seiner Wahlheimatstadt Kronberg. Die Versteigerung seines künstlerischen Nachlasses fand zwei Jahre später in Frankfurt statt. 1908 wurde im Kronberger Kaiser Friedrich-Park das Anton Burger-Denkmal aufgestellt.

Ausstellungseröffnung am 22. Mai 2005

Museum Kronberger Malerkolonie in der Streitkirche
Tanzhausstraße 1, Kronberg im Taunus
Öffnungszeiten:
Mittwoch 15-18 Uhr
Samstag und Sonntag 11-18 Uhr
Fronleichnam, 26. Mai 2005, 11-18 Uhr
Samstag 4. Juni 2005, 11-22 Uhr
Eintritt:
Pro Person 4.- Euro
Kinder von 6-12 Jahren 2.- Euro
Familien 10.- Euro
Führungen:
Kunsthistorische Führungen durch die Ausstellung innerhalb der offiziellen Öffnungszeiten werden in deutscher und englischer Sprache angeboten. Das Honorar für die einstündige Führung: in deutsch € 65,--, in englisch € 75,--.
Bitte vereinbaren Sie Ihren individuellen Termin mit:
Christelle Liebelt M.A., Königstein
Tel.: 06174-932271
Mobil: 0177-6263960
Internet: www.christelleliebelt.de
 
Veranstalter: Museumsgesellschaft Kronberg e.V.
Stiftung Kronberger Malerkolonie
Tanzhausstraße 1, 61476 Kronberg
Tel. 06173-929490, Fax 06173-929491
E-mail: museum-malerkolonie@freenet.de

ArteMusica
www.artemusica-stiftung.de

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