Kurzbiographien Kronberger Künstler

FERDINAND BRÜTT (1849-1936)
Der gebürtige Hamburger Ferdinand Brütt erhielt seinen ersten Unterricht an der dortigen Kunstgewerbeschule. 1870-76 besuchte er die Weimarer Kunstakademie, wo er von Ferdinand Pauwels, Karl Gussow und Albert Baur unterrichtet wurde. Mit Letzterem ging er anschließend nach Düsseldorf, wo sie eine von der belgischen Historienmalerei beeinflußte, dramatische Genremalerei entwickelten. Brütt erhielt einen Lehrauftrag an der Düsseldorfer Akademie und wurde 1893 zum Professor ernannt. 1898-1920 hielt sich Brütt in Kronberg auf und stand in freundschaftlichem Kontakt zu Anton Barger und den Malern um Norbert Schrödl.

Neben Landschaftsbildern schuf Brütt vor allem figurenreiche, oft recht großformatige Großstadt- und Gesellschaftsdarstellungen (Gerichtsszenen). Seine freie, schwungvolle Malweise weist impressionistische Tendenzen auf. Der Bildeindruck wird mehr von Bewegung und Farbigkeit als von Detailrealismus geprägt.

ANTON BURGER (1824-1905)
Anton Burger war eine der zentralen Figuren der Kronberger Malerkolonie und der Stadt Kronberg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er gehörte neben Jakob Fürchtegott Dielmann und Philipp Rumpf zu den Begründern der Kronberger Künstlerkolonie. Nach seiner Ausbildung am Städelschen Institut in Frankfurt am Main und an der Münchener Akademie reiste er nach Paris, wo er Camille Corot und wahrscheinlich auch Gustave Courbet kennenlernte. Danach bildete er sich in Düsseldorf, Antwerpen und Amsterdam künstlerisch weiter. Burgers Kunst wurde sowohl von der französischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts als auch von der niederländischen Genre- und Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts beeinflußt.

Ab 1858 lebte Burger ständig in Kronberg und beeinflußte viele seiner Künstlerkollegen und vor allem seine zahlreichen Schüler und Schülerinnen. Seine bevorzugten Themen sind Landschaftsausschnitte aus der Frankfurter Umgebung mit Staffage sowie Jagd- und Genreszenen im Freien oder in Innenräumen, die er immer wieder variierte.

CARL PETER BURNITZ (1824-1886)
Der in Frankfurt geborenen promovierte Jurist Peter Burnitz fertigte bereits Ende der 1840er Jahre auf seinen Reisen nach Italien, Algier und Spanien erste Zeichnungen an. Jedoch erst während seines Parisaufenthaltes 1851-57 entschied er sich, seine Kanzlei aufzugeben und Maler zu werden. In Paris nahm er Unterricht bei Camille Roqueplan und Emilie Larnbinet und er lernte die Maler Charles-François Daubigny, Théodore Rousseau, Camille Corot kennen und malte gemeinsam mit ihnen im Wald von Fontainebleau. Nach seiner Rückkehr verbrachte er die Sommermonate in Kronberg, übertrug das in Fankreich Gelernte auf seine Taunuslandschaften und vermittelte damit die französiche Landschaftsauffassung seinen Frankfurter und Kronberger Kollegen. 1868 folgte ein weiterer Aufenthalt in Paris, wo er Hans Thoma, Otto Scholderer, Adolf Schreyer und Victor Müller traf. 1878/79 war Burnitz Vorsitzender der Frankfurter Künstlergesellschaft.

Indem Burnitz in seinen zahlreichen französischen und deutschen (vor allem Taunus- und Nidda-) Landschaften den unspektakulären Naturausschnitt und das natürliche Licht betonte, kann er als ein Hauptvertreter der Tradition der Schule von Barbizon im Frankfurter Raum angesehen werden.

ADOLF CHELIUS (1856-1923)
Adolf Chelius wurde 1856 in Frankfurt geboren. Nachdem er zwei Jahre lang Unterricht an der Berliner und Wiener Akademie nahm, kam er zurück nach Frankfurt und studierte dort an der Städelschule (1878-79) bei Johann Heinrich Hasselhorst. 1879-82 lebte Adolf Chelius in Kronberg und gehörte zu dem Kreis der jungen Burger-Schüler. Im Anschluß daran ging er nach München und löste sich dort zusehends vom Stil Anton Burgers. Studienreisen zum Nordkap, nach St. Petersburg, Palermo und Madrid bereicherten sein Themenrepertoire.

Das Oeuvre umfaßt vornehmlich Landschafts- und Tierdarstellungen.

JAKOB FÜRCHTEGOTT DIELMANN (1809-1885)
Der gebürtige Frankfurter Jakob Fürchtegott Dielmann studierte, wie auch Anton Burger, Philipp Rumpf, Adolf Schreyer, Jakob Maurer u.a. am Städelschen Kunstinstitut, trat aber anschließend an der Düsseldorfer Akademie in die Landschaftsklasse Johann Wilhelm Schirmers ein. Nach einem Aufenthalt in der Malerkolonie Willingshausen in der Schwalm kehrte er nach Frankfurt am Main zurück und kam 1858 nach Kronberg. Jakob Fürchtegott Dielmann und Anton Burger waren die ersten Maler, die sich in Kronberg fest ansiedelten.

Wie sein Malerkollege Burger bevorzugte Dielmann ländliche Genredarstellungen und die Variation einiger Motive, wobei er mit verschiedenen Malweisen und unterschiedlicher Lichtführung experimentierte.

PHILIPP FRANCK (1860-1944)
Nach einer zweijährigen Ausbildung am Städelschen Kunstinstitut bei Heinrich Hasselhorst und Eduard von Steinle lebte der in Frankfurt geborene Maler und Radierer Philipp Franck einige Zeit in Kronberg, wo er bei Anton Burger Unterricht nahm (1879-1881). Schon bald empfand er dessen Einflußnahme als zu bestimmend. Auf Anraten Dielmanns wechselte er an eine der größten und bedeutendsten Kunstschulen des 19. Jahrhunderts nach Düsseldorf, wo er bis 1887 bei Eduard von Gebhardt und Eugen Dücker studierte. 1892 erhielt er einen Ruf an die Königliche Kunstschule nach Berlin und reformierte dort grundlegend den Zeichenunterricht. 1898 wurde er zum Professor ernannt und seit 1915 war er Direktor der Berliner Königlichen Kunstschule. Er lebte am Wannsee und unternahm von dort aus zahlreiche Studienreisen. Neben Max Liebermann und Lovis Corinth war Philipp Franck Mitbegründer der Berliner Secession (1898) und somit erheblich an der Reformierung des offiziellen kaiserdeutschen Ausbildungssystems beteiligt. Zwischen 1913 und 1938 besuchte er regelmäßig Frankfurt und den Taunus. Er beteiligte sich an den Ausstellungen progressiv gesinnter Frankfurter Künstler.

Seine Landschaften und Figurenbilder weisen in ihrer kräftigen Farbigkeit und der freien, fast "gestischen" Malweise weit über die zu dieser Zeit in Kronberg übliche retardierende Kunstauffassung hinaus. Sie zeigen die Verarbeitung des französischen Impressionismus wie auch eine Auseinandersetzung mit den stilistischen Tendenzen der Jahrhundertwende.

RICHARD FRESENIUS (1844-1903)
Nachdem Richard Fresenius seine Lithographenausbildung abgeschlossen hatte, trat der 1844 geborene Frankfurter 1862 in die Städelschule ein und erhielt dort Unterricht in der Klasse Jakob Beckers. Schon ein Jahr später ging er nach München, wo er als Lithograph arbeitete und nebenbei die Münchner Akademie besuchte. Zwischen 1866 und 1872 lebte Fresenius in Karlsruhe und nahm Unterricht bei dem norwegischen Landschafts- und Marinemaler Hans Gude, der Fresenius' Werk vor allem in thematischer Hinsicht, nämlich in der Vorliebe für Seestücke, prägte. 1872 ließ sich Fresenius fest in Kronberg, in der heutigen Jaminstraße, nieder. Reisen führten ihn in die Rhön, an die Nordsee, in die Normandie, nach Italien, in die Alpenländer und mehrfach nach Norwegen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Fresenius im Süden. 1903 starb er in Monte Carlo.

Fresenius' hauptsächliches malerisches Interesse galt den Marinedarstellungen. In diesen Meeres- und Küstenlandschaften aus ganz Europa nahm er unterschiedliche jahres- und tageszeitliche Stimmungen auf und verlieh den vielfältigen Witterungsbedingungen Ausdruck. Damit ist sein Oeuvre im Kreis der frühen Kronberger Künstler singulär.

HEINRICH HEIMES (1855-1933)
Heinrich Heimes, der 1855 in Meyen geboren wurde, hatte in Düsseldorf bei Eugen Dücker und in Karlsruhe bei Gustav Schönleber studiert. Studienreisen führten ihn nach Italien, Frankreich, Dänemark und Holland (wo er lange Zeit in Katwijk aan Zee ein Haus besaß) und sogar nach Palästina und Ägypten. Erst 1911 ließ er sich in Kronberg nieder und war mit Ferdinand Brütt und Nelson Kinsley befreundet.

Viele seiner Meeres- und Küstenlandschaften atmen den Geist der Jahrhundertwende; die späteren Arbeiten zeigen sich von einer lockeren Malweise geprägt, die den atmosphärischen Stimmungen Ausdruck verleihen.

HUGO KAUFFMANN (1844-1915)
Der Sohn des bekannten Hamburger Malers Hermann Kauffmann begann seine Ausbildung 1861 am Städel unter Jakob Becker und Eduard von Steinle. Auf Anraten seines Vaters der mit Anton Burger befreundet war, ging Hugo Kauffmann 1863 nach Kronberg, wo er, unterbrochen von einer Reise nach Düsseldorf (1867) und einem eineinhalbjährigem Aufenthalt in Paris (seit 1868), bis 1871 vornehmlich im Gasthof 'Adler' lebte. Durch die gemeinsame Liebe zur Jagd verband ihn mit Burger eine enge Freundschaft. In Paris, die Reise hatte er gemeinsam mit Heinrich Winter und Friedrich Steinhardt angetreten, traf er seine Frankfurter Malerkollegen Hans Thoma, Peter Burnitz, Otto Scholderer und Adolf Schreyer. Seit 1871 lebte Kauffmann in München und in Prien am Chiemsee.

Kauffmanns Gemälde werden bis heute besonders wegen der erzählenden, teils deftigen Genreszenen, die vorzugsweise das bäuerliche Leben im Taunus und in Bayern als Motiv aufnehmen, und wegen der malerisch-freien Pinselführung sehr geschätzt.

NELSON KINSLEY (1863-1945)
Nelson Kinsley wurde in Canton im Bundesstaat Massachusetts in den USA geboren. Nach dem Tod des Vaters entschloß sich Kinsleys Mutter 1872 auf die "Grand Tour" durch Europa zu gehen. 1874 ließ sie sich mit ihren beiden Söhnen in Frankfurt nieder. Seit 1878 nahm Nelson Kinsley auf Anraten Adolf Hoefflers in Kronberg bei Anton Durger Unterricht und teilte mit diesem die Vorliebe für die Jagd. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Düsseldorf kehrte Kinsley nur kurz nach Kronberg zurück, um Burgers Tochter Louise zu heiraten (1884). Anschließend zog das junge Paar nach Karlsruhe, wo Kinsley Schüler von Hermann Baisch wurde. Baisch machte ihn - wie zuvor schon Burger - darauf aufmerksam, seine oft einsamen, menschenleeren Landschaften mit Tierstaffage - als Konzession an den Publikumsgeschmack - zu beleben. Erst 1897 kehrte Kinsley nach Kronberg zurück.

Kinsleys Taunuslandschaften und seine Kronbergansichten geben in lockerer Malweise die verschiedenen jahres- und tageszeitlichen Stimmungen wieder.

KARL FERDINAND KLIMSCH (1841-nach 1909)
Der Lithograph und Landschaftsmaler Karl Ferdinand Klimsch wurde 1841 in Frankfurt geboren. Als jüngerer Bruder des seinerzeit sehr geschätzten Eugen Klimsch war Karl Ferdinand Klimsch einer der weniger bekannten Mitglieder der über drei Generationen in Frankfurt tätigen Maler- und Grafikerfamilie. Nach seiner Schulausbildung nahm er ein Jahr lang in München Unterricht bei Karl Raupp. Ab 1864 lebte K.F. Klimsch in Frankfurt. Dort gründete er die Druckerei und lithographische Verlagsanstalt 'Klimsch & Co', wo er u.a. weit verbreitete Musterbücher für Lithographen veröffentlichte. Seit 1895 widmete er sich nahezu ausschließlich malerischen Studien. Er bewegte sich vermutlich im Kreise der Künstler des "Frankfurt-Cronberger Künstlerbundes". Karl Ferdinand Klimsch beteiligte sich kaum an Ausstellungen. Wenngleich ein loser Kontakt zu den Malern der Kronberger Künstlerkolonie zu vermuten ist, so ist dieser bislang aber nicht nachweisbar.
CARL MORGENSTERN (1811-1893)
Über fünf Generationen war die Malerfamilie Morgenstem in Frankfurt tätig. 1811 wurde Carl Morgenstern geboren und trat nach seiner Schulausbildung in das Atelier seines Vaters Johann Friedrich Morgenstem ein. Abgesehen von Reisen in die Alpen hielt er sich 1832-1834 in München auf und nahm Unterricht bei den Landschaftsmalern Carl Rottmann und Christian Morgenstem. 1834 folgte die "obligate" Italienreise, von der er erst 1837 in die Heimatstadt zurückkehrte. Düsseldorf, Holland und Belgien sowie Frankreich, die Schweiz und wiederholt Italien waren weitere Reiseziele. Mit seinen italienischen Landschaften, die häufig die Sehenswürdigkeiten der Toskanan, Capris oder Sizilien ins sonnige südliche Licht tauchen, begründete er seinen Ruf als 'Italianist aus Frankfurt. Gleichermaßen beliebt waren aber auch seine Rhein-, Main- und Niddalandschaften.

Zwar gehörte Carl Morgenstem nicht direkt zur Kronberger Malerkolonie, doch sind freundschaftliche Besuche bei den Künstlern in Kronberg belegt.

FRIEDRICH ERNST MORGENSTERN (1853-1919)
Als Sohn des Landschaftsmalers Carl Morgenstern wurde Friedrich Ernst Morgenstern 1853 in Frankfurt geboren. Er ist der jüngste und zugleich letzte Vertreter der Frankfurter Malerdynastie. Nach einer abgebrochenen kaufmännischen Lehre ging er 1872 nach Paris, um dort Malunterricht zu nehmen. Im selben Jahr noch kehrte er nach Frankfurt zurück und nahm bis 1887 Unterricht bei Johann Heinrich Hasselhorst, Gustav Kaupert und Eduard von Steinle am Städelschen Kunstinstitut. Zudem arbeitete er im Atelier seines Vaters. Bei seinen alljährlichen Studienreisen lernte er Holland, Belgien, Frankreich, Italien, England und Schottland kennen.

Sein Oeuvre umfaßt Landschaften und Veduten und orientiert sich am Stil des Vaters. Erst nach dessen Tod (1893) gelangte F.E.Morgenstem zu einer eigenen, an impressionistischen Stilmerkmalen orientierten, künstlerischen Ausdruckskraft.

F.E.Morgenstern gehörte nicht unmittelbar zur Kronberger Malerkolonie. Jedoch stand er in freundschaftlichem Kontakt zu den Künstlern der Taunusstadt - ein Beweggrund, der schon seinen Vater und Großvater zu Besuchen in Kronberg veranlaßt hatte.

EMIL RUMPF (1860-1948)
1860 wurde Emil Rumpf als Sohn des Malers Philipp Rumpf in Frankfurt geboren. Emil Rumpf nahm zunächst Unterricht bei seinem Vater und später an den Akademien in Düsseldorf und Karlsruhe. Im Sommer 1888 war er Privatschüler bei Kaspar Ritter am Städel. Seit der Ansiedlung seiner Eltern in Kronberg (1875) lebte Emil Rumpf, unterbrochen von einigen Reisen, ebenfalls in der Taunusstadt.

Er schuf eine große Anzahl von Illustrationen und Genrebildem, vor allem aber konzentrierte er sich auf die Darstellung militärischer Szenen, die er oft mit anekdotischen, ja humoristischen Zügen unterlegte.

JOSEFINE SCHALK (1850-1919)
Josefine Schalk, 1850 in Trier als Tochter eines Künstlers geboren, kam zwanzigjährig nach Frankfurt, um sich an der Städelschule von dem bekannten Historien- und Genremaler Johann Heinrich Hasselhorst unterrichten zu lassen. Anschließend lebte und arbeitete sie in München und Umgebung. Ihre Reisen führten sie in den Odenwald, in den Spessart und in die Rhön. In vielen Landschaftsbildern hat sie diese Gegenden festgehalten. 1902 ließ sich Josefine Schalk in Kronberg nieder. Die Mitglieder der Kolonie schätzten sie. Eine besondere Verbindung hatte sie zu Fritz Wucherer und dessen Familie. Ab 1912 lebte sie im Haus der Familie Wucherer.

Von ihrer Hand stammen sehr viele Porträts, Genrebilder und die erwähnten Landschaften.

ALFRED VON SCHÖNBERGER (1845-nach 1909)
Alfred von Schönberger wurde 1845 in Graz geboren. Zunächst schlug er eine militärische Lautbahn ein, die er später aufgab, um in München als Hospitant an der Akademie bei Adolf Lier und dann bei Karl Millner Unterricht zu nehmen. Ab Ende 1873 führten ihn mehrere Reisen durch Europa und in den Orient. Ende 1880 ließ sich A.v. Schönberger in Frankfurt nieder und hielt sich regelmäßig in Kronberg auf.

Landschaften und Stadtansichten machen den Hauptteil seines Werkes aus.

OTTO SCHOLDERER (1834-1902)
Der gebürtige Frankfurter Otto Scholderer war 1849-51 Schüler bei Johann David Passavant und Jakob Becker am Städel. 1857-58 folgte er seinem Freund Victor Müller (der 1848-58 in Paris lebte) nach Paris, wo er Gustave Courbet kennenlernte. Anschließend lebte er in Frankfurt und besuchte regelmäßig Kronberg, wo er 1865 neben Viktor Müller und Peter Burnitz an der Ausstattung der Villa des Frankfurter Bankiers Jacques Reis beteiligt war. Bei seinem Düsseldorfaufenthalt 1866 begegnete er Hans Thoma. Mit ihm reiste Scholderer 1868 nach Paris, arbeitete dort im Atelier von Heinrich Winter und Friedrich Steinhardt, verkehrte im Kreis um Eduard Manet und lernte Henri Fantin-Latour kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Nach Ausbruch des deutsch-französischen Krieges kehrte Scholderer nach Deutschland zurück und schloß sich den Münchner Malern um Wilhelm Leibl an. 1871- 1899 lebte er in London, von wo aus er regelmäßig Reisen nach Frankfurt und Paris unternahm. 1902 starb Scholderer in Frankfurt.

Scholderers Oeuvre setzt sich im Wesentlichen aus Porträts und Figurenbildern zusammen, die sich von der zeitgenössischen französischen Malerei beeinflußt zeigen. In seinen Stilleben rekurrierte Scholderer vor allem auf holländische Stilleben und Küchenstücke des 17. Jahrhunderts sowie auf die Malerei Siméon Chardins.

ADOLF SCHREYER (1828-1899)
Adolf Schreyer wurde 1828 in Frankfurt geboren. Gemeinsam mit Anton Burger, Jakob Maurer und Philipp Rumpf studierte er unter Jakob Becker und Johann David Passavant 1843-54, unterbrochen von Aufenthalten an den Akademien in Stuttgart, München und Düsseldorf, am Städel. Während des Krimkrieges (1853/54-56) schloß er sich der Österreichischen Observations-Armee an und bereiste in Begleitung des Prinzen Emmerich von Thurn und Taxis die südeuropäischen Länder Galizien, Ungarn, Rumänien, die Walachei und Südrußland. 1855 hielt er sich in Wien und erstmals in Paris auf. 1856/57 war er in Bukarest, kehrte anschließend wieder zum Regiment zurück und reiste nun in die Türkei und nach Syrien. Seit Ende 1857 hielt er sich in Frankfurt auf und besuchte Kronberg in den Sommermonaten. Es folgten weitere Reisen nach Paris und Algerien (1861). 1862-70 lebte er - unterbrochen von weiteren Orientreisen - in Paris. 1872 kaufte er sich ein Haus in Kronberg, wo er fortan die Sommermonate verbrachte, während er sich im Winter in Paris aufhielt. Seine letzten Lebensjahre verbarchte Schreyer in Kronberg.

Vor allem wegen seiner Orientdarstellungen, die der französischen "Orientalismusmode" entgegen kamen, und seinen sogenannten walachischen Szenen genoß Schreyer großes internationales Ansehen.

NORBERT SCHRÖDL (1842-1912)
Die aus Wien stammenden Eltern Norbert Schrödls waren ständig auf Reisen und so kam es, daß Schrödl als Zehnjährige vom kaiserlichen Hofmaler Michael von Zichy in Sankt Petersburg ersten Malunterricht erhielt. Später besuchte er ein Jahr die Vorbereitungsklasse an der Pariser Kunstakademie (1854). Als die Familie 1855 nach Frankfurt zog, studierte Schrödl drei Jahre am Städelschen Kunstinstitut in der Klasse Jakob Beckers. In dieser Zeit kam er das erste Mal nach Kronberg. 1862 entschloß er sich, nach Paris zu gehen, wo er lukrative Porträtaufträge aus Hofkreisen erhielt. Auch später in Berlin (1868-1874) porträtierte er hochgestellte Persönlichkeiten und sogar Mitglieder der kaiserlichen Familie. So entstand der Kontakt zu Kronprinzessin Victoria von Preußen. Wie gefragt Norbert Schrödl war, zeigt sich u.a. daran, daß er drei Ateliers unterhielt (in Berlin, in Frankfurt und in Baden-Baden). Seit 1880 hielt sich Schrödl regelmäßig in Frankfurt und Kronberg auf. 1887 kaufte er ein Haus in Kronberg und siedelte sich fest an. Victoria von Preußen, die inzwischen Kronberg als ihren Witwensitz gewählt hatte, besuchte Schrödl oft in seinem Atelier und nahm bei ihm Malunterricht. 1894 wurde Schrödl zum Vorsitzenden der Frankfurter Künstlergesellschaft ernannt.

Schrödl war ein angesehener Porträtist. Er hat aber auch Genrestücke, Landschaften und 13 Stilleben gemalt.

WILHELM STEINHAUSEN (1846-1924)
Wilhelm Steinhausen wurde in Sorau in der Niederlausitz geboren. Er studierte in Berlin (1863-1866) bei Eduard Daege, Eduard Holbein und Julius Schrader und anschließend in Karlsruhe (1866-1869) bei Ludwig des Coudres. 1871 hielt er sich als Stipendiatspreisträger in Italien auf, lebte dann in München und Berlin bis er sich 1876 in Frankfurt niederließ. Er war eng mit Hans Thoma, Louis Eysen und Peter Burnitz befreundet. Gemeinsam mit ihnen besuchte er Kronberg, kann aber nicht der Kronberger Künstlerkolonie direkt zugerechnet werden.

Vor allem wegen seiner religiösen Werke erhielt er viele Aufträge (u.a. für Wandmalereien). Seine Landschafts- und Figurendarstellungen verknüpfte Steinhausen mit christlich-mythologischen oder allegorischen Themen und verlieh ihnen damit sinnbildlichen Charakter, der über den eigentlichen Darstellungsgegenstand hinaus geht.

HEINRICH WINTER (1843-1911)
1843 wurde Heinrich Winter in Frankfurt/Main geboren. Nachdem er ab 1856 den Elementarunterricht der Städelschule besuchte, war er bis 1864 Schüler bei Jakob Becker. Von diesem wurde er in die Figurenmalerei, die seinerzeit wegen ihrer Bedeutung für die Historienmalerei die am meisten anerkannte Gattung der Malerei war, eingewiesen. Nach Beendigung seiner Ausbildung hielt sich Winter bis 1867 in Kronberg auf, wo er im Gasthof "Adler" wohnte. Damals gehörten Anton Burger, Jakob Fürchtegott Dielmann und Philipp Rumpf zu seinem Freundeskreis. Auf Vermittlung Adolf Schreyers, der seit 1862 in Paris lebte, kam Heinrich Winter 1867 in die französische Hauptstadt. Im Juli 1870, bei Ausbruch des deutsch-französischen Krieges, verließ Heinrich Winter, wie viele andere deutsche Künstler, Paris und kehrte nach Deutschland zurück. Er meldete sich als Freiwilliger, wurde aber abgelehnt und schloß sich schließlich einem Sanitätscorps an. Auf Anregung Schreyers, mit dem Winter seine Vorliebe für die Pferdemalerei teilte, reiste er bereits 1868, von Paris aus, nach Ungarn, von wo er zahlreiche Skizzen zum Zigeunerleben und originale Zigeunertrachten mitbrachte. 1871 ließ sich Heinrich Winter in Kronberg nieder. 1874 und 1884 bereiste er erneut Ungarn und erweiterte seine Reiseroute nach Siebenbürgen, Rumänien und in die Türkei.

Bis zu seinem Lebensende blieben die Pferdemalerei, der er sich schon als Kind widmete, bäuerliche Genreszenen, das Zigeunerleben in den Balkanländern und die Darstellungen des deutsch-französischen Krieges seine beliebtesten Themen.

FRITZ WUCHERER (1873-1948)
Der in Basel gebürtige Fritz Wucherer erhielt seine ersten Unterweisungen im Zeichnen von dem Frankfurter Landschaftsmaler Eduard Josef Müller. 1892 ging er von Frankfurt aus nach Kronberg, wo er im Atelier Anton Burgers Unterricht nahm. Während und nach dieser Ausbildung, die bis 1895 dauerte, reiste er u.a. nach Holland. Als besonders prägend jedoch kann sein dreijähriger Aufenthalt in Paris und Umgebung (bis 1898) angesehen werden, der ihm die künstlerische Auseinandersetzung mit der Malerei der "Schule von Barbizon" und dem französischen Impressionismus brachte. Seit 1899 lebte er ständig, unterbrochen von Reisen nach Holland, Italien, in die Schweiz und nach Norddeutschland, in Kronberg.

Vor allem Landschaften waren Wucherers bevorzugtes Sujet. Aber auch Stadtansichten mit der Darstellung technisch-industrieller Errungenschaften nehmen einen großen Teil seines Oeuvres ein. In seiner Malerei verwendete er impressionistische Ausdrucksmittel, doch ließ er den Gegenstand nicht hinter den optischen Eindruck zurücktreten. Die Wiedererkennbarkeit des Dargestellten blieb stets Anliegen seiner Malerei.

Begleittext zur Ausstellung in der Streitkirche, Februar 2002
Autorin: Anja Frommator