|
Fritz Wucherer(1873-1948)
Am Bodensee, Blick auf Meersburg.
1905. Öl/Leinwand, 52 x 78.5 cm
Stiftung Kronberger Malerkolonie
|
In unserer Reihe "Bild des Monats" soll als letzte Gemälde Fritz
Wucherers "Am Bodensee" vorgestellt werden. Es vertritt die am Ende
des 19. Jahrhunderts in ganz Europa aufkommenden impressionistischen
Stiltendenzen.
Der in Basel gebürtige Fritz Wucherer erhielt seine ersten
Unterweisungen im Zeichnen von dem Frankfurter Landschaftsmaler Eduard
Josef Müller. 1892 ging er von Frankfurt aus nach Kronberg, wo er
im Atelier Anton Burgers Unterricht nahm. Während und nach dieser
Ausbildung, die bis 1895 dauerte, reiste er u.a. nach Holland. Als
besonders prägend jedoch kann sein dreijähriger Aufenthalt
in Paris und Umgebung (bis 1898) angesehen werden, der ihm die
künstlerische Auseinandersetzung mit der Malerei der "Schule von
Barbizon" und dem französischen Impressionismus brachte. Seit
1899 lebte er ständig, unterbrochen von Reisen nach Holland,
Italien, in die Schweiz und nach Norddeutschland, in Kronberg. Vor
allem Landschaften waren Wucherers bevorzugtes Sujet. Aber auch
Stadtansichten mit der Darstellung technisch-industrieller
Errungenschaften nehmen einen großen Teil seines Oeuvres ein.
Seine Kenntnis französischer Landschaftsmalerei des ausgehenden
19. Jahrhunderts und seine Ausbildung bei Burger verknüpfte Fritz
Wucherer recht schnell zu einem eigenen Stil. Wucherers Ansichten von
Frankfurt und seine zahlreichen Taunuslandschaften sind bekannter als
seine Figurenbilder. Gleichwohl zeigt dieses Gemälde, wie er es
vermochte, die sommerliche Stimmung mit spontanem,
großzügigem Pinselstrich und kräftigem Kolorit
einzufangen und aus den aneinander gesetzten Farbflächen die
Gegenstände zu formulieren. Eine junge Frau sitzt mit einem
schattenspendendem Sonnenschirm in einem Boot am Ufer des
Bodensees. Wenngleich der Maler abwesend ist, werden Erinnerungen an
die Atelierboote der Impressionisten auf der Seine wach. Die
französischen Impressionisten hatten sich dieser Methode bedient,
um den unmittelbarsten Natureindruck, das Momenthafte der Erscheinung
sofort ins Bild bannen zu können. Das Sonnenlicht zaubert
Lichtreflexe auf Kleid, Boot und Wasseroberfläche. Ganz am
Horizont läßt sich der Blick auf Meersburg erahnen.
Monets künstlerisches Ziel "... das darzustellen, was zwischen
dem Objekt und dem Künstler steht, nämlich die
Schönheit der Atmosphäre, das Unmögliche!" ist Fritz
Wucherer hier zu verwirklichen gelungen. Und, obwohl Wucherer nach dem
Besuch einer Monet-Ausstellung in einem Brief aus Paris in die Heimat
schrieb, daß ihn dessen Malerei sehr befremde, sieht man in
diesem Beispiel freilich sehr gut, wie er den Tendenzen nicht
entfliehen konnte. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein hielt Wucherer
an den künstlerischen Mitteln der Impressionisten fest. Doch geht
er nicht so weit, den Gegenstand hinter den optischen Eindruck
zurücktreten zu lassen. Das Dargestellte und dessen
Wiedererkennbarkeit bleiben seine Ziele. Damit kann er in eine Reihe
mit Malern der Jahrhundertwende wie Edward Cucuel und Leo Putz
gestellt werden. Zu einer gegenständlichen Auflösung wird
Wucherer nicht gelangen. In seinen Lebenserinnerungen bekannte er,
daß ihn die "oft wechselnden 'Ismen' wie Naturalismus,
Expressionismus, Futurismus, Kubismus u.a." nicht interessierten.
Mit Fritz Wucherer starb 1948 der letzte direkt zur Kronberger
Künstlerkolonie gehörende Künstler.
|