Die Kronberger Malerkolonie

Bild des Monats Juli

Philipp Rumpf (1821-1896)
Junge Mutter mit Kind
Kreide und Kohle / Papier, 41,5 x 28,5 cm
Stiftung Kronberger Malerkolonie

So wie Dielmann in seinen Gemälden vornehmlich das ländlich-bäuerliche Leben im Freien als Thema aufgriff, waren es für Philipp Rumpf die unprätentiösen, bescheidenen, alltäglichen Szenen des Familiären, die zu einem seiner Hauptmotive wurden. Unser "Bild des Monats Juli" stellt damit eine weitere Themenvariante der beim Publikum so sehr beliebten Genrebilder dar.

Fünfzehnjährig trat der gelernte Konditor Philipp Rumpf in die Bildhauerklasse Johann Nepomuk Zwergers am Städel ein. Bereits nach zwei Jahren wechselte er in die Landschaftsklasse zu Carl Friedrich Wendelstadt und später zu Heinrich Rustige. Ab 1842 nahm Philipp Rumpf Unterricht bei Jakob Becker. Während eines Kurses bei Angilbert Göbel traf er Anton Burger wieder, mit dem er schon seit seiner Kindheit befreundet war. Ab 1844 unterhielt Philipp Rumpf in Frankfurt eine private Schule für Zeichnen, Aquarell- und Ölmalerei. Er unternahm Reisen nach Süddeutschland, Frankreich und Oberitalien. Seit 1855 hielt er sich zeitweise in Kronberg auf, war sehr gut mit Anton Burger und Jakob Fürchtegott Dielmann befreundet und zählt neben diesen beiden Künstlern zu den Begründern der Kronberger Malerkolonie. 1875 siedelte sich Rumpf fest in Kronberg an. Die letzten Lebensjahre verbrachte er wieder in Frankfurt.

Rumpf stellte gern Motive seiner unmittelbaren, privaten Umgebung dar. Es entstanden zahlreiche Familien- und Kinderbildnisse, besonders Mutter-Kind-Darstellungen. Er war glücklicher Vater von 10 Kindern und hatte seine "Inspiration" täglich vor Augen. "Ich bin der Maler meiner Familie, im eignen Hause habe ich alle Motive zu meinen Bildern gefunden..." hatte er einmal gesagt. Gleichwohl lag ihm nicht daran, die Familie zu porträtieren, vielmehr gelang es ihm, jene privaten Motive zur Allgemeingültigkeit zu stilisieren. Infolgedessen waren jene Bilder beim bürgerlichen Publikum so beliebt, daß sie als Reproduktionen in Form von Radierungen auf den Markt gebracht wurden.

In warmes Licht getaucht können Rumpfs Darstellungen als Sinnbilder der Harmonie des häuslichen Lebens betrachtet werden. Als außenstehender Beobachter hielt Rumpf vor allem die intimen Momente zwischen Mutter und Kind fest: der liebevoll lächelnde Blick der Mutter auf ihr Kind, das in der Geste seines Händchens die Zuneigung zu erwidern scheint.

Rumpfs Darstellungen liegt in unpolemischer Weise die neue, seit dem beginnenden 19. Jahrhundert gewandelte Auffassung von Familie und Frauenrolle zugrunde. Die Besinnung auf den privaten Wirkungskreis, auf Empfindung und Gefühlsbetontheit dienten der Charakterisierung der Frau.

Vertrautheit und Anziehungskraft gewinnen Rumpfs Mutter-Kind-Darstellungen vor allem durch die Berufung auf traditionelle Motive, wie beispielsweise auf das Sinnbild der Caritas, vor allem aber auf den Typus der Muttergottes mit dem Kind, den der Maler durch die zeitgenössische Kleidung profanierte und somit gekonnt in die bürgerliche Sphäre des Betrachters überführte.

Bezogen auf des Meisters Radierungen, jedoch auch für seine feinen Kreidezeichnungen, Aquarelle und Gemälde gültig, drückte Johann Friedrich Hoff, ein Frankfurter Künstlerfreund der Kronberger Maler in seinen Lebenserinnerungen aus, was viele seiner Zeitgenossen dachten: "Solch liebevolles Versenken in das kleine Getriebe des Lebens ... war so recht nach meinem Sinn. ... Und wie schön sind Rumpfs ... Darstellungen des Mutterglückes. ... Es ist wohl kaum Besseres und Vollendeteres in der Art radiert worden."

Ein weiterer wesentlicher Teil in Philipp Rumpfs malerischem Schaffen sind die eleganten Damendarstellungen im Freien. Beispielhaft vertreten ist dieses Sujet mit dem Aquarell "Waldausgang bei Oberhöchstadt" (Vitrine).

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