Die Kronberger Malerkolonie

Bild des Monats Mai

Jakob Fürchtegott Dielmann (1809-1885)
Treppenaufgang in der Eichenstraße in Kronberg
1865. Öl auf Leinwand, 41 x 31 cm
Museumsgesellschaft Kronberg e.V.

Möchte man die bedeutendsten und zugleich beliebtesten Motive der Maler in der Kronberger Künstlerkolonie benennen, so sind das gewiß die zahlreichen Landschafts- und die Genrebilder. Unsere Reihe "Bild des Monats" soll mit einem Beispiel der Genremalerei beginnen - ein Thema, das sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts besonderer Beliebtheit erfreute und der Idyllensehnsucht des Publikums am besondere Befriedigung verschaffte.

Der 1809 in Frankfurt-Sachsenhausen geborene Jakob Fürchtegott Dielmann studierte am Städelschen Kunstinstitut, trat aber anschließend an der Düsseldorfer Akademie (1835-42) in die Landschaftsklasse Johann Wilhelm Schirmers ein. Nach einem Aufenthalt in der Malerkolonie Willingshausen in der Schwalm kehrte er nach Frankfurt am Main zurück und kam 1858 nach Kronberg. Jakob Fürchtegott Dielmann und Anton Burger waren die ersten Maler, die sich in Kronberg fest ansiedelten. Wie sein Malerkollege Burger bevorzugte Dielmann ländliche Genreszenen und Landschaftsdarstellungen.

Dielmann ist der älteste unter den Malern der Kronberger Kolonie. Im formalen Aufbau seiner idyllischen Darstellungen aus Kronberg stand er noch in der Tradition biedermeierlicher Genremalerei. Mit erzählendem Unterton fing er die Begebenheiten täglichen Lebens in dem bäuerlich geprägten Taunusort ein und verknüpfte sie mit idyllischen Dorfansichten. Das für Kronberg typische stark an- und absteigendes Gelände mit dem unübersichtlichen Häusergewirr der verwinkelten Sträßchen ist Thema nicht nur des hier vorgestellten sondern auch zahlreicher anderer Gemälde von Dielmann.

Die nachmittägliche Idylle am "Teppenaufgang in der Eichenstraße" erhält "akustische Unterstützung" durch das Gackern der Hühner auf dem schattigen Misthaufen im Vordergrund, während zwei Frauen sich zum Schwätzchen getroffen haben. Gemächlich lauschen die Kinder der Unterhaltung; andere schlafen oder spielen miteinander. Ein Mädchen sitzt in der Sonne an der Haustür und geht ihrer Handarbeit nach. Die schräg stehende Sonne läßt die Häuser starke Schatten werfen, so daß der zentrale, durch die perspektivische Konstruktion erreichte Tiefensog der steilen Treppe zugunsten einer diagonalen Bildaufteilung gemildert wird. Während die linke Bildhälfte im Schatten liegt, reflektieren die ockerfarbenen Hauswände rechts das Sonnenlicht. Ohne die Beschreibung der Einzelheiten zu vertiefen, konzentrierte sich Dielmann auf die Gesamtstimmung: Seine vom Sonnenlicht umflutete Szene gibt die atmosphärische Wirkung des Farben- und Lichtspiels in der engen Gasse wieder, ohne sich im Detail zu verlieren. Dielmanns Malerei deutet damit den Weg an, den die nachfolgende Künstlergeneration gehen wird.

Dielmann hatte sich recht bald vom akademischen Ideal, literarisch vorgegebene Themen als Bildmotiv zu wählen, befreit und widmete sich vielmehr dem "tatsächlichen" dörflichen Leben und den "einfachen und echten Empfindungen". Seinen Stil veränderte er im Laufe seines Lebens kaum. Dielmann, dessen künstlerische Arbeit ihm äußerste Konzentration abverlangte (es ist überliefert, daß er ab und an ein Gespräch unterbrach, indem er sagte: "Bitte, seien Sie still. Ich denke über ein Bild nach.") und der häufig mit seinen Gemälden unzufrieden war, sie abkratzte und neu malte, stand hoch in der Gunst seiner Zeitgenossen: Man lobte seine "sommerhellen Farben", seine "koloristische Begabung", seine "feinfühlige Aufmerksamkeit", sein "sinnig naturbetrachtendes Gemüt von seltenem Reiz der Harmonie". Die wohl enthusiastischste Huldigung aber stammt von seinem langjährigen engen Malerfreund Anton Burger: "Dielmann war ein Genie, der größte Zeichner des Jahrhunderts. Neben ihm können die Zeitgenossen einpacken. Er überragt sie alle turmhoch. Das Malen fiel ihm freilich schwer, obschon er tausendmal mehr davon verstand als ich. Er hatte immer die Sonne im Kopf und wollte nur von Sonnenbildern wissen."

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