Fritz Ferdinand Wucherer

Fritz Wucherer wurde am 8.3.1873 in Basel als Sohn des aus Bamberg stammenden Kaufmanns Lorenz Ferdinand Wucherer geboren. Bereits mit vier Jahren übersiedelte er mit seinen Eltern nach Frankfurt am Main. Schon früh zeigte sich seine künstlerische Begabung und er erhielt ersten privaten Unterricht durch den Zeichenlehrer und Landschaftsmaler Eduard Josef Müller, der das Zeichnen nach der Natur in den Vordergrund stellte. Nach der Reifeprüfung an der Frankfurter Musterschule entschloß sich Wucherer die Küstlerlaufbahn einzuschlagen. Anstatt eine formale akademische Ausbildung anzustreben, ging er 1892 nach Kronberg, um dort bei dem schon bald 70jährigen Anton Burger die Malkunst zu erlernen. Er wohnte zunächst in einer baufälligen Kammer in der noch nicht renovierten Kronberger Burg, später dann im Haus seines Lehrmeisters. Der drei Jahre dauernde Unterricht bei Burger hatte für Wucherers weitere künstlerische Entwicklung prägende Bedeutung. Auch wenn er sich, anders als die meisten Burger-Schüler, nach einiger Zeit von erdrückenden Vorbild lösen konnte und seine eigenen Wege ging, sprach er stets mit Hochachtung von Burgers küstlerischem und menschlichen Vorbild.
Während der Kronberger Jahre unternahm Wucherer Reisen nach Süddeutschland und 1894 nach Brüssel und Antwerpen. Dort sah er Landschaftsbilder im Stil der französischen Freilichtmalerei (paysage intime), die einen starken Eindruck hinterließen. Nach drei Jahren bei Burger ging Wucherer 1895 zur Vervollkommnung seiner Ausbildung nach Paris und zog in ein Atelier am Montmartre. Er ließ sich von der Pariser künstlerischen Atmosphäre, insbesondere von den Sammlungen des Louvre, inspirieren, schloß sich jedoch keiner Schule an. Umgang hatte er weniger mit französischen Künstlern sondern mit dem teils in Kronberg teils in Paris lebenden, international hoch angesehenen Maler Adolf Schreyer, und mit dem österreichischen Maler Eugen Jettel.

Bald nach seiner Ankunft in Paris besuchte Wucherer für einige Tage den Wald von Fontainebleau mit den Städten Chailly und Barbizon, die als Mekka der Künstler galten. Den Sommer 1896 verbrachte er in Auvers-sur-Oise nördlich von Paris (wo sechs Jahre zuvor van Gogh gestorben war), wo ihn die abwechslungsreiche Landschaft zu intensivem Arbeiten anregte. Im Sommer 1897 schließlich folgte ein weniger inspirierender Aufenthalt in Houilles. Den Abschluß der drei französischen Studienjahre bildete ein dreimonatiger Kurs an der privaten Académie Julian in Paris (Akt und Figurenzeichnen bei Jules Lefebvre und Tony Robert-Fleury). Weihnachten 1897 kehrte Fritz Wucherer als "fertiger" Maler nach Deutschland zurück und eröffnete zunächst ein Atelier in Frankfurt. Das Jahr 1899 sah seine Heirat mit Marie Cleophea Zwerger, die er im Burgerhaus kennengelernt hatte. Sie war Enkelin eines Städel-Professors der Bildhauerei und mit der Frankfurter Malerdynastie Morgenstern verwandt. Das junge Paar zog zunächst nach Schönberg im Taunus und bald darauf nach Kronberg in Wohnung und Atelier des nach Karlsruhe berufenen Malers und Keramikers Wilhelm Süs.
Fritz Wucherer war nun Teil der Kronberger Malerkolonie und sollte deren Tradition noch fast ein halbes Jahrhundert lang fortsetzen. Ihre Blütezeit freilich war bereits vorüber, und sie verlor durch den Tod des greisen Anton Burger 1905 ihren Mittelpunkt. Dennoch begann für Wucherer eine künstlerisch wie auch wirtschaftlich erfolgreiche Zeit. "Es folgten für mich Jahre fleißgen, ergiebigen Schaffens", wie er selbst in seiner 1937 verfaßten autobiographischen Skizze "Mein Lebenslauf" schreibt. Wucherer entwickelte sich zu einem gesuchten Landschaftsmaler, der nicht nur Szenen aus seiner engeren Heimat gestaltete, sondern während ausgedehnter Arbeits- und Studienreisen in vielen Regionen Deutschlands als Maler und Zeichner tätig wurde. Einige Stationen seines Lebenswegs: Hamburg (Hafenbilder), Cuxhaven, Hagen, die Rhön, Heidelberg, das Tauber- und das Jagsttal, Kloster Schöntal, Schwarzwald, Elsaß (als Soldat im Ersten Weltkrieg), Bodensee, der Hochrhein. Auslandsreisen führten ihn nochmals nach Holland (1908) und Italien (1912) und öfters in die Schweiz.
Der materielle Erfolg ließ nicht auf sich warten und die Wucherers konnten im Jahr 1912 ein großzügiges neues Haus in der Kronberger Burgerstraße beziehen. Neben zahlreichen privaten Arbeiten erhielt Fritz Wucherer auch öffentliche Aufträge. So dokumentierte er in den Jahren 1913-15 in einer in verschiedenen Techniken ausgeführten 35teiligen Folge von Bildern und Zeichnungen den Abriß der Frankfurter Alten Brücke. Im Lauf der Jahre erhielt er auch eine ganze Reihe von Aufträgen zur Ausgestaltung öffentlicher Bauten. So gewann Wucherer 1906 einen Wettbewerb zu Ausschmückung des neuen Frankfurter Rathauses, später gestaltete er Wandbilder in verschiedenen Bahnhöfen und im Kurhaus von Bad Soden. Die in der Spätphase seines Schaffens im Wartesaal des Frankfurter Hauptbahnhofs angebrachten 4,5x4,5 Meter großen Bilder fielen, wie auch die anderen Wandgemälde, dem zweiten Weltkrieg zum Opfer.
Neben der klassischen Landschaftsmalerei, die ihm am meisten am Herzen lag, verschloß sich Wucherer auch den Motiven aus der Welt der Technik und Industrie nicht. So erwirkte er 1909 die Erlaubnis, während der Internationalen Luftfahrt-Ausstellung auf dem Frankfurter Messegelände zu malen und widmete sich der neuartigen Aufgabe, die majestätisch am Himmel schwebenden Luftschiffe mit künstlerischen Mitteln wiederzugeben. In späteren Jahren gestaltete Wucherer eine große Anzahl von Bildern mit technischen Motiven, insbesondere begleitete er den Bau von Staumauern und Kraftwerken am Oberrhein und am Edersee. Sudkessel und technische Anlagen dienten als Motive für die Ausgestaltung der Festschrift einer Brauerei. Neben Öl- und Aquarellmalerei gestaltete Wucherer auch vielfätige graphische Arbeiten, teilweise unter dem Einfluß von Hans Thoma, der darin eine Möglichkeit sah, qualitätsvolle Kunstwerke zu erschwinglichen Preisen zu verbreiten. Neben 27 Radierungen, meist aus den Studienjahren, weist sein Werkverzeichnis 196 Lithographien mit den unterschiedlichsten Motiven auf.
Gegen Ende seines Lebens übersiedelte Fritz Wucherer während des Zweiten Weltkriegs vorübergehend nach Großgmain in Österreich und nach Deggingen/Fils. 1947 kehrte er mit seiner Familie nach Kronberg zurück. Zu seinem 75. Geburtstag wurde er durch eine Ausstellung seiner Werke in Frankfurt geehrt. Kurz darauf, am 22.3.1948, verstarb Fritz Wucherer nach kurzer Krankheit und wurde auf dem Kronberger Friedhof beerdigt.


   Februar 1948
Fritz Wucherer führte als Landschaftsmaler die Tradition der Kronberger Malerkolonie aus dem neunzehnten bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts fort. Er gestaltete stimmungsvolle Bilder mit Motiven aus seiner engeren Heimat, dem Taunus und Frankfurt, aber auch aus vielen anderen deutschen Landschaften, etwa aus dem alpinen Großgebirgsraum. Wucherer erlernte die technischen Fähigkeiten seiner Kunst durch seinen verehrten Lehrmeister Anton Burger. Künstlerisch aber löste er sich von den durchkomponierten mit aufwendiger Staffage versehenen Bildern Burgers und orientierte sich vor allem an der französische Tradition der "Paysage intime" und der Schule von Barbizon mit ihrer lyrisch geprägten, zum Impressionismus überleitenden Landschaftsauffassung. Dabei haben ihn während seines dreijährigen Studienaufenthalts in Frankreich besonders die Werke von Camille Corot und François Daubigny beeinflußt.
Wucherers Ideal war es, Realismus und absolute Wirklichkeitstreue mit einer poetischen Gestaltung zu verbinden, auf der Basis handwerklich solider Maltechnik tief empfundene Kunstwerke zu schaffen. Zur künstlerischen Avantgarde, zu den künstlerischen Umwälzungen seiner Zeit fand Wucherer keinen Zugang. Mit dem Impressionismus setzte er sich auseinander, modernere Strömungen waren seiner Kunstauffassung jedoch wesensfremd. Interessant ist, daß in den vielen erhaltenen Briefen aus seiner Studienzeit trotz der räumlichen und zeitlichen Nähe Künstler wie van Gogh, Cézanne und Pissarro keine Erwähnung finden. In seiner Autobiographie von 1937 schreibt Wucherer: "Viel herumprobiert habe ich nie, ein gewisser stetiger Entwicklungsweg war mir innerlich vorgezeichnet", und an anderer Stelle: "Meine Kunstauffassung ist mir innerlich vorgezeichnet - daher unproblematischer Art. Koloristische und Raumgestaltungsfragen als Selbstzweck haben mich weniger beschäftigt. Deshalb berühren mich die verschiedenen, oft wechselnden 'Ismen', wie Naturalismus, Expressionismus, Futurismus, Kubismus u.a. kaum. Als Richtlinie gilt mir das Schöne, Gesunde: ohne Ideale erscheint mir die Kunst nicht denkbar."

Hier finden Sie eine Auswahl der Werke Fritz Wucherers
Aus dem Frühwerk
Taunuslandschaft
Kronberger Panorama
Kronberger Winkel
Haus und Garten
Landschaften
Frankfurt
Grafisches Werk

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