Wer den Taunus kennt, kennt Cronberg. Am Ausgang des Gebirges lehnt es
an einem Hügel, den das Schloß mit feinem alten
schwerfälligen Turm krönt. Gelände lagern sich davor,
führen hinaus zur weiten Mainebene, lassen Frankfurt erkennen und
ganz in der Ferne den schwachen Saum der Bergstraße. Der Ort
selbst ist wie für Maler geschaffen. Krumme Gäßchen
mit alten Häusern und moosigem Gemäuer steigen auf und ab,
bieten überall anziehende Bilder. Kein Wunder wenn Maler sich
auf diesem schönen Erdfleck niederließen, zu engem Kreise
sich vereinten und eine kleine Kolonie für sich bildeten. Der
alte Dielmann, der vor zwei Jahren starb, war der Führer gewesen,
ihm hatten Jüngere sich angeschlossen, Anton Burger, dieser
nachgeborne Niederländer des 17. Jahrhunderts vor allen. Die
anderen Genossen, so hübsches sie gelegentlich auch leisten,
haben ihren Ruf nicht über die Berge klingen hören. Und die
Schuld daran haben sie selbst. Die Naturliebe, der Reiz eines freien
Künstlerlebens in einer Umgebung, die selbst den Laien malerisch
anschaut, hatte sie zusammengeführt und zusammengehalten, bis
Eigensinn sie in seltsam abgeschlossene Zirkel neckte und bannte, in
denen sie unbekümmert um das, was draußen in der Weite lebt
und wirkt, behaglich sich einkapselten, stolz auf ihren Pinsel und -
vergessen von der argen Welt, der der Weg in die
Sackgäßchen moderner Kunst zu viel ist.
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Es war nach dem Ausbruch des französischen Krieges, als sich
Adolf Schreyer der Cronberger Kolonie zugesellte, den Genossen
gegenüber ein vollendeter Meister von weltmännisch
umfassender Kunstbildung, die er dem langen Aufenthalt in der Fremde
dankte. Schreyers kecke Malweise, seine koloristische Meistererschaft
und virtuose Unmittelbarkeit der Darstellung war den Cronberger
Landschaftern und Genremalern, die in kleinen harmlosen Bildchen mit
liebevollem Fleiße und bescheidenen malerischen Mitteln sich
ergingen, ein unerwartet Neues, dessen Einwirkung auf den Kreis der
Tauniden freilich nur kurzlebig war. Sie waren zu alt geworden in
ihrer gemütlichen Routine, als daß es ihnen hätte
gelingen können dem beweglichen und merkwürdig frischen
Eindringling das Geheimnis seiner Kunst zu entlocken.
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Schreyer hatte bald den freundlichen Gebirgsort lieb gewonnen: er
kaufte sich an und baute eine herrlich gelegene Villa zu einem
reizvollen Künstlerheim um. Wenn er wintersüber in Paris,
dem vornehmsten Schauplatz seiner Thätigkeit, in angestrengter
Arbeit den Wünschen zahlreicher Besteller nachgekommen ist, dann
zieht er im Frühjahr in seine deutsche Heimat, um den Sommer in
Cronberg zu verbringen. Aber auch dahin folgen die eifrigsten der
Bilderjäger, die amerikanischen Händler, und spornen den
Meister zu rastloser Schöpfung an.
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Schreyer stammt aus Frankfurt a. M., hier wurde er 1828 geboren. Er
erhielt eine sorgfältige Erziehung und besuchte die Zeichenschule
des Städelschen Institutes. Das Pferd aber war von frühauf
seine Passion, er studirte es mit unermüdlicher Hingabe, bis alle
seine Gewohnheiten und alle Falten seiner Natur ihm so vertraut waren,
daß er später bei dem Entwurfe seiner zahlreichen
Reiterbilder der vorbereitenden Studien vollständig zu entraten
vermochte. Schreyer lernte die hauptsächlichsten deutschen
Gestüte kennen, aber auch an den Akademien von München und
Düsseldorf strebte er nach weiterer Ausbildung der Gaben, welche
ihn zum Künstler bestimmten. In Düsseldorf, anfangs der
fünfziger Jahre, traf er mit einem seltsam beanlagten Genossen
zusammen, mit dem Frankfurter Teutwart Schmitson, einem erreglichen
gärenden Geiste, voll großartiger Einfälle, die seine
lebendige Phantasie mit gewaltigen, wilden Vorstellungen
beunruhigten. Schmitsons malerische Erziehung war dilettantisch
gewesen, er dankte Schreyer gar manchen guten Rat, der den in
romantischer Weise leicht ausschweifenden Maler mit seinen feurigen
Darstellungen oft unmöglicher Vorgänge aus dem Leben der
Tiere zurückrief auf den gesunden Boden schlichter
Naturbeobachtung.
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Schmitsons koloristische Auffassung verriet indessen eine
merkwürdige, in jenen Tagen nachhallender Romantik und
philiströser Werktägigkeit höchst auffällige
Empfänglichkeit für lebhafte farbige Wirkungen. Das war es,
was Schreyer zu dem seltsamen, leider früh verschiedenen Menschen
hinzog und ihn im Beharren auf der unabhängig von
künstlerischer Schulmeisterei gefundenen Bahn
bestärkte. Denn Schreyer ist im Grunde Autodidakt. Von Jugend auf
hatte er den Blick auf die malerische Gesamtwirkung in der Erscheinung
gerichtet. Mit wachsender Erfahrung und unter der Einwirkung der
koloristischen Revolution, welche die Romantiker Frankreichs
durchgeführt hatten, wurde allmählich das, was dem
Werdenden ungewiß nur vorschwebte, zur vollen Überzeugung,
zum bindenden Gesetz seines Schaffens. Wo immer das Auge hinblickte
auf die Mannigfaltigkeit der Dinge, es suchte vor allem und zuerst den
farbigen Reiz, und diesen zum Hauptträger der künstlerischen
Empfindung zu machen, war und ist das vornehnmste Ziel seiner
Kunst. Dabei ist Schreyers Phantasie von so willfähriger
Erreglichkeit, daß sie die flüchtigsten Eindrücke zum
künstlerisch harmonischen Bilde zu verdichten vermag. Nichts ist
unbestimmter, unklarer als die Entstehung eines Schreyerschen
Bildes. Auf gut Glück warf die Spachtel ein paar Töne auf
die Leinwand, blau, ocker und dunklere Töne - nichts als Massen
ohne Form und Bedeutung. Gleichwie aber der sinnige Blick im
flüchtigen Spiel ziehender Wolken Gebilde schaut, wundersame,
dann bis zur Bestimmtheit klare, so taucht auch im Bewußtsein
des dichtenden Künstlers bei der Empfindung der farbigen Reize
die Vorstellung erlebter Beobachtungen auf, und was wie
willkürliches Spiel einer zerstreuten Hand erschien, gewinnt im
Drange der Arbeit gegenständlichen Sinn und künstlerischen
Form. Daher die Unmittelbarkeit, mit der uns Schreyers Bilder
ansprechen daher freilich auch zuweilen eine gewisse
Skizzenhaftigkeit, die sie wie unfertig erscheinen läßt.
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Der Krimkrieg führte den Künstler in der Begleitung des
Fürsten Von Thurn und Taxis in die Walachei, nach Ungarn und
Südrußland. Hier gewann Schreyer den fruchtbarsten
Boden. Er trat als Schlachtenmaler auf und malte mit realistischer
Absicht unter anderem die "Schlacht bei Waghäusel" (Besitzer:
Großherzog von Mecklenburg), die "Schlacht bei Comorn"
(Besitzer: Pouilly-Mensdorf), endlich eins seiner hervorragendsten und
größten Werke: "Der Fürst von Taxis, verwundet bei
Temesvar am 9. August 1849". Vielfach sind die Anregungen, welche
Schreyer aus dieser an Erlebnissen reichen Kriegsfahrt bewahrt hat;
noch gegenwärtig entlehnt er diesen Erinnerungen häufig die
Motive zu Schildereien aus den Donauländern. Die entscheidende
Richtung erhielt indessen der Künstler, als er von Paris aus,
seiner zweiten Heimat, wo er lohnenden Gewinn fand, Afrika
besuchte. Das war ja das gelobte Land der französischen
Künstler, seit der große Delacroix die orientalische
Stoffwelt nach Gros' ahnungsvollem Hinweis für die Kunst wahrhaft
entdeckt hatte. Decamps wurde in der orientalischen Natur von dem
wilden Kontrast der Lichter und Schatten, von der gewaltsamen
Farbenpracht geblendet. Marilhat hingegen fand eine stimmungsvolle
Harmonie unter der tropischen Glut des südlichen Himmels, er
erblickte das Neue mit ruhigerem Auge, näherte sich mehr der
schlichten Wirklichkeit. Der geistreiche Eugene Fromentin, der
liebenswürdige Bida und der noch unlängst wirksame
Eindringling in das intime Leben der Orientalen, Guillaumet, diese
bilden das Gefolge Marilhats, und sie sind es, neben denen unser
Schreyer einen hervorragenden Rang behauptet.
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Es war im Jahre 1861, als Schreyer von Frankreich aus Nordafrika
besuchte. Was ihn interessirte war vor allem der Araber und sein
Pferd. Mit dem scharfen Auge des Realisten erfaßte er seinen
Gegenstand, war unermüdlich in seinem Studium. Aber er blieb
nicht stehen bei der protokollarischen Gewissenhaftigkeit in der
Aufnahme der Natur, poetisch feiner Sinn führte die Hand, lenkte
sie hin auf den Ausdruck stimmungsvoller Innerlichkeit: und jedes
Bild, das er schuf, war ein Jubellied in Farben auf die Herrlichkeit
der orientalischen Welt. Schallendes Lob lohnte sein Beginnen in
Paris. Schon das große Bild, das uns den Fürsten von Taxis
beritten darstellt, in dem Augenblick, da er verwundet wird, war auf
dem Salon von 1863 ein Ereignis ungewöhnlicher Art gewesen. Noch
gewaltiger wirkten seine orientalischen Meisterwerke, und die, welche
uns in den halbasiatischen Südosten Europas versetzen.
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Der geringfügigste Vorgang gewinnt in der Darstellung echt
dramatische Kraft und atmet individuelles Leben. Wie aufregend
weiß er die Aufmerksamkeit eines "Vorpostens von Spahis" zu
schildern, wie scheinen Roß und Reiter in dem einen
Spähen nach dem Feinde aufzugehen! Und welche stürmische
Bewegung zeigt uns die berühmte Artilleriecharge vom Jahre
1865. Das sechsspännige Geschütz macht im Galopp eine
Wendung nach rechts. Da platzt ein Geschoß und trifft mit einem
Splitter einen Reiter, der auf dern Sattel zusammensinkt, während sein
Pferd im Riemenwerk sich fängt und stolpert. Aber mit
schwindelnder Schnelligkeit verfolgen die anderen ihren Lauf und
reißen Roß und Reiter fort. Mit Recht wies man vor dem
Bilde hin auf die echt französische Furie des Vortrags, und man
begann Schreyer als französischen Künstler zu feiern und
auszuzeichnen. Ein anderes Bild führt den Titel "Der Schrecken";
es gehört zu Schreyers originellsten und ergreifendsten
Schöpfungen. Endlos dehnt sich die öde Ebene, der nur ein
bleicher Lichtstreif am äußersten Ende des Horizonts einen
matten Schein sendet. Ein Araber durchreitet sie. Da plötzlich
gewahrt er ein unheimliches Schauspiel: über dem verwesenden
Körper des Herrn liegt ein Pferd dahingestreckt. Wie sein
Roß den Geruch wittert, wirft es sich mit ungestümem
Sprunge zur Seite, bäumt sich auf, sträubt seine Mähne,
bläht die Nüstern und peitscht die Luft mit den
Vorderfüßen. Hielte der Reiter es nicht zurück: wie
ein Pfeil würde das geängstigte Tier fortstürzen in
rasender Eile! Und man fühlt, wie es leidenschaftlich aufkocht in
der Brust des Arabers, man ahnt die Rachegedanken, die ihn bei dem
Anblick durchzucken. Mit unvergleichlicher Bravour hat der
Künstler diese Scene erfaßt, die Verwirrung des
Augenblickes, die wilde Bestürzung spricht sich aus in der
malerischen Behandlung: Farben und Formen haben gewissermaßen
Teil an der ungestümen Bewegung, sie verzichten auf die klare
Bestimmtheit, um den Eindruck des unmittelbar Empfundenen nur um so
energischer, um so anschaulicher wiederzugeben: sie packen und
sprühen Leben.
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Nicht minder spannend weiß uns Schreyer mit den Schrecken der
Wüste auf einem anderer Bilde bekannt zu machen. Auf einem
Besuche bei dem Künstler im verflossenen Herbst sahen wir ein
ungewöhnlich großes Araberbild, das, wenn ihm auch die
letzte nachhelfende Pflege fehlte, doch nahezu vollendet auf der
Staffel stand. Wie ein unendliches Meer breitet sich die Wüste in
wogenden Sandwellen aus, die Abendsonne bestreicht sie und spielt mit
goldigen Reflexen in den sturmaufgewühlten Furchen der
eisenhaltigen Erde. Drei Araber sind eben auf die Nähe eines
Löwen aufmerksam geworden und auch die Pferde sind unruhig
geworden, erheben die Köpfe, schnaufend, angstvoll bewegt. Gerade
dieses Bild gewährt einen guten Einblick in die
künstlerischen Grundsätze Schreyers, die er gern in launiger
Rede an seinen Werken entwickelt. Seine malerische Theorie leiht von
der Musik die verdeutlichenden Begriffe. Die tiefen Töne im
Bilde, welche vornehmlich den Gruppen des Vordergrundes eignen, bilden
den Baß im Tongemälde, sie geben ihm Körper und Halt
und fordern als Kontrast und Lösung zugleich die keck
vorspringenden Lichter und lebhaften Farbenblitze, die gleich hohen
Diskantnoten die Gipfelpunkte der in Mitteltönen gehaltenen
Melodie darstellen. So spitzt sich alles im Gemälde zu einem
blühenden Farbenbouquet zu, dessen Reiz unser Auge zuerst
besticht. Auch die ganze Komposition bekundet diese einheitliche
Absicht. Bei dem eben angeführten Araberbilde ist der Kopf des
vordersten Arabers im vollsten Licht, in ihm erreicht die Farbenskala
ihren Höhepunkt, wie er auch den Mittelpunkt in der Gruppirung
bildet; die harmonische Vermittelung stellen die weniger intensiven
Farben der übrigen Araber in ihrer reichen, malerischen Tracht
dar. - Ein gutes Stück berechnender Virtuosität freilich
steckt in diesen Werken, die erst dann deutlich zu Tage tritt, wenn
wir ihren wundersam harmonischen Eindruck zu zergliedern, kritisch zu
zerpflücken beginnen. Aber die geistreiche Manier ist so innig
aus der schöpferischen Phantasie geboren, wirkt so selbstlos und
ungetrübt, daß die wohlerwogene Absicht gegen die Kraft der
Erfindung verschwindet.
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Wir Deutschen sind doch im Farbensehen zumeist noch recht stumpfe und
nüchterne Gesellen. Dem Orientmaler freilich räumen wir das
Vorrecht ein, mit blendenden Antithesen in Farben zu spielen. Wir
stellen uns den Süden so farbenfroh und farbenreich wie
möglich vor, aber wir sträuben uns in unserer unmittelbaren
Umgebung der Farbe gerade ins Gesicht zu sehen. Alles muß grau
und flau aufschauen, und ist es recht nüchtern und
werktätig, dann gilt es als gesunder Realismus. Da sind ja fast
die Tageshelden moderner Kunst, die überzeugungsmutigen
Impressionisten toleranter! Sie geben sich alle erdenkliche
Mühe, Farben zu sehen und Farben zu malen, aber sie kommen
über das Buntsehen nicht hinaus und sind nur konsequent,
wenn Sie Schreyer in Paris einen "malerischen" Maler heißen!
Gewiß auch unsere nordische Welt birgt des farbigen Reizes die
Fülle, Böcklin zeigt es, der bescheidene Spitzweg selbst der
so fern stand von allem renommistischen Eclatmachen und Eclatmalen,
wußte davon und verriet in manchen seiner eingestimmten
Landschaftsbildchen, wie zart und klar die Farbe seine Sinne
traf. Auch Schreyer beschränkt sich nicht auf das rein
orientalische Stoffgebiet. Wo er nur hinblickte, fand er die Beispiele
für seine Theorie, was er nur auffaßte, wurde unter seinem
Hand zum farbenprangenden Bilde. Eins der Werke, die sein
größter Stolz find, - es ist in seinem Cronberger Atelier -
ist ein kleines wahrhaft poetisches Pleinairbildchen: ein wunderbar
klarer Himmel mit weißgespachtelten Wolken spannt sich über
eine reizende Landschaft, vorn mit einem stillen Wasser, dessen
notdürftige Überbrückung ein Zug Walachen zu Pferd
betritt. Gerade die walachischen und russischen Schildereien,
nächst den Araber-Reiterbildern sein Lieblingsgebiet, ragen
hervor durch poetische Farbenwirkung. Aber wir haben schon an einigen
Araberbildern gesehen, welche Sorgfalt der Künstler auch auf den
gegenständlichen Inhalt der Werke legt. Er will erzählen,
will den Beschauer in Mitleidenschaft ziehen, ihn anregen zu
nachschaffender Betrachtung. Die Gefahr lag so nahe für den
Pferdezeichner und Farbenvirtuosen, die rein malerische Wirkung, die
technische Kunstfertigkeit allein ins Feld zu führen und auf die
Mithilfe der Phantasie zu verzichten. Dieses Streben, auch durch den
Gedanken zu fesseln, tritt recht deutlich hervor in dem berühmten
"Verlassenen" im Luxembourg. Der Vorwurf ist überaus einfach und
trotzdem mächtig ergreifend. Ein Schimmel neben einem Wagen, der
Fuhrmann tot und tot das andere Pferd. Der Schimmel hat von dem
Gefährt losgerissen was er konnte, nur die Kette, die ihn an die
Deichsel fesselt konnte er nicht sprengen. Nun steht er verlassen in
der Einsamkeit, auf die leichte Schneeflocken niederfallen, daß
wir Mitleid empfinden für das arme Tier. Es liegt eine
wunderbare Stimmung auf dem Bilde, der noch kein Beschauer sich
entzog. Andere Darstellungen aus demselben Stoffgebiet haben durch die
reproduzirenden Künste und Techniken eine weite Verbreitung
gefunden, so der "Warenzug, der vom Schneegestöber aufgehalten
wird", der "Brennende Pferdestall", "Walachische Pferde, von
Wölfen erschreckt"; hierher gehört auch die "walachische
Post in den fünfziger Jahren", welche wir kürzlich in einer
Radirung von Fr. Krostewitz veröffentlichten.
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Schreyer zählt zu den meistbeschäftigten unserer
Künstler. In der ganzen Welt, in Amerika zumal, selbst im Orient
finden sich die Zeugen seines Talentes. Bald hatte der Künstler
die Meisterschaft gewonnen: als virtuoser Zeichner, als sinniger
Kolorist und als ein Techniker ohne Gleichen. Neigung und fremde
Bestellung beschränkte den Umfang seiner Motive. Er wird nicht
müde, wieder und wieder auf sie zurückzuschauen, und immer
weiß er ihnen den Reiz der Neuheit zu verleihen. Aber dieses zur
Gewohnheit gewordene Zurückgreifen auf ein und dieselbe Weise hat
den Gang seiner künstlerischen Entwickelung verdeckt, macht es
ungemein schwer den inneren Wandel seiner Kunst klar zu erkennen. Der
Künstler der sechziger Jahre ist schon der vollendete Meister von
heute. Der Umfang seiner Thätigkeit hat sich seitdem erweitert,
ihr Gehalt ist derselbe geblieben, und weder seine Phantasie noch
seine Hand zeigt Spuren der Ermüdung.
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