Adolf Schreyer



   Gemälde von N. Schrödl
Christian Adolf Schreyer wurde am 9.7.1828 in Frankfurt am Main als Sohn des wohlhabenden Weinhändlers Peter Schreyer aus Speyer und seiner Frau Maria Salome geb. Bell geboren. Im Jahr 1843 begann er am Städelschen Kunstinstitut das Studium der Malerei, unter anderem bei dem Genremaler Jakob Becker und dem Historienmaler Johann David Passavant. Von Anfang an galt sein besonderes Interesse der Darstellung von Pferden, die bald das zentrale Thema seines künstlerischen Werks werden sollten. Schon als Kind war er in Kontakt mit Pferden, da seine Eltern ein eigenes Gespann besaßen, später verbrachte er viel Zeit auf der Reitbahn des städtischen Marstalls und machte sich mit den Tieren aufs Gründlichste vertraut. Auch auf seinen zahlreichen späteren Reisen nahm er immer wieder die Gelegenheit wahr Gestüte zu besuchen.
In den Jahren 1846-48 unternahm Schreyer Reisen nach Stuttgart und München, im Wintersemester 1848 war er an der Kunstakademie Düsseldorf eingeschrieben. Nach Frankfurt zurückgekehrt, wo sein Vater 1848 gestorben war, konnte Schreyer seine Lebensunterhalt bereits durch den Verkauf von Bildern bestreiten, insbesondere Portraits und Tierbilder. Im Gefolge der revolutionären Unruhen des Jahres 1848 waren in Frankfurt militärische Abordnungen aus Österreich, Bayern, Preußen und anderen deutschen Ländern stationiert. Die Beobachtung dieser Truppen weckte in Schreyer das Interesse am Militärwesen und ließ in ihm den Entschluß reifen, sich als Schlachten- und Historienmaler einen Namen zu machen. Daher nahm er nach Ausbruch des Krimkriegs (1853-56) gern das Angebot österreichischer Offiziere an, als Beobachter am Einzug der österreichischen Südarmee in den Donaufürstentümern teilzunehmen. Es war ein unblutiger Feldzug - Österreich war kein direkter Kriegsteilnehmer - der Schreyer die Möglichkeit gab, das Soldatenleben sowie Land und Leute auf dem Balkan kennenzulernen. Schreyer schloß sich dem 7. Ulanenregiment unter dem Befehl des in österreichischen Diensten stehenden Obersten (später General der Kavallerie) Fürst Emmerich von Thurn und Taxis an. Mit diesem Offizier verband ihn bald ein enges Freundschaftsverhältnis. Auch nach dem Ende des Krimkriegs mit dem Frieden von Paris (1856) unternahmen beide weitere Reisen auf den Balkan, nach Südrußland und Kleinasien und bis nach Syrien. Die weiten Ebenen der Donaufüstentümer, Ungarn, Galizien und insbesondere die noch ursprüngliche und halbwilde Walachei (der südliche Teil Rumäniens) erregten Schreyers besonderes Interesse. Er füllte seine Skizzenbücher mit zahlreichen Pferde- und Reiterszenen, Dorf- und Steppenskizzen von denen er über Jahrzehnte würde zehren können. Weitere Reisen unternahm Adolf Schreyer zu dieser Zeit vermutlich nach England, Italien, Spanien und in die Schweiz.

In den Jahren nach seiner Balkanreise schuf Adolf Schreyer großformatige Schlachtengemäde, sowohl vom zeitgenössischen Krimkrieg wie auch historische Szenen aus der napoleonischen Ära. Diese Bilder entstanden überwiegend aus eigener Initiative, er wurde nicht als offizieller Schlachtenmaler beauftragt, obwohl seine Arbeit ihn in Kontakt zur kaiserlichen Familie in Wien brachte. Dennoch erntete Schreyer internationale Anerkennung mit seinen militärischen Gemälden, so etwa die Goldmedaille beim dritten Pariser Salon von 1865 für das Bild "Artillerieangriff in der Schlacht bei Traktir auf der Krim" (heute im Musée d'Orsay). Die Jahre 1857-60 verbrachte Schreyer überwiegend in Frankfurt. 1859 heiratete er dort Johanna Maria Andreae (1837-1921), Tochter einer wohlhabenden Bankiers- und Industriellenfamilie. Wie andere Maler auch nahm er die Gewohnheit an, die Sommermonate in Kronberg zu verbringen. Mit vielen Mitgliedern der Malerkolonie war er gut befreundet, besonders mit Anton Burger, Philipp Rumpf, Jacob Maurer, Norbert Schrödl, Adolf Hoeffler. Mit einigen dieser Malerkollegen entstanden sogar gemeinsame Gemälde.
Im Jahre 1861 zog es Schreyer nach Paris (das er sechs Jahre früher anläßlich der Weltausstellung erstmals besucht hatte), damals das unumstrittene Zentrum der europäischen Kunst. Von seinem neuen Wohnsitz aus unternahm er eine Reise nach Nordafrika, in das erst kurz vorher unterworfene Algerien und andere französische Kolonialgebiete. Wie zuvor schon der Kontakt mit dem Balkan und dem Nahen Osten hinterließ auch die Begegnung mit der arabischen Kultur einen bleibenden Eindruck bei Schreyer. Von nun an sollten 'walachische' und orientalische Motive sein künstlerisches Schaffen bestimmen. Sein eigene Vorliebe traf sich dabei aufs glücklichste mit dem Kunstgeschmack seiner Zeit. Das Publikum im zweiten französischen Kaiserreich begeisterte sich für die farbenfrohen und stimmungsreichen Werke des "Orientalismus", vertreten etwa durch Künstler wie Eugène Fromentin und Leon Gérôme.
Nach einigen wirtschaftlich schwierigen Jahren in Paris gelang Schreyer der Durchbruch und er errang höchste öffentliche Anerkennung. Besonders der einflußreiche Literat und Kunstkritiker Théophile Gautier setzte sich nachdrücklich für ihn ein. Bald wurden Schreyers Werke regelmäßig in den großen Kunstausstellungen gezeigt und prämiert. Schreyer wurde sogar als der 'Beherrscher des Pariser Salons' gefeiert, er wurde in auswärtige Akademien aufgenommen und durch Ordensverleihungen geehrt. Damit einher ging auch ein großer Erfolg auf dem Kunstmarkt. Napoleon III. erwarb sein Bild "Kosakenpferde im Schnee". Schreyers Werke fanden reißenden Absatz, nicht nur in Frankreich und anderen europäischen Ländern, sondern auch in Übersee. Besonders in Amerika wurde es Mode, einen Schreyer zu besitzen, und auch heute noch ist sein Name dort ein Begriff. Der kommerzielle Erfolg machte Adolf Schreyer zu einem wohlhabenden Mann, der fortan mit seiner Frau (das Ehepaar blieb kinderlos) unter luxuriösen Bedingungen leben konnte.

  Gemälde von
  O. Donner von Richter
Der deutsch-französische Krieg bewirkte, zumindest vorübergehend, einen Einschnitt in Schreyers Leben; 1870 mußte er Paris verlassen und verlegte seinen Wohnsitz nach Kronberg. Dort bezog er eine Villa, die er 1872 erwarb und zu einem komfortablen Küstlerheim umbaute (das Gebäude in der Hainstraße 11 wurde 1969 abgerissen). Während des Kriegs stellte das Ehepaar Schreyer (Mary Schreyer war Präsidentin des Roten Kreuzes) das Haus als Offizierslazarett zur Verfügung. Dies sollte für die Stadt Kronberg Folgen haben, denn die Kronprinzessin Victoria von Preußen lernte bei Besuchen den Ort kennen und schätzen. Zwanzig Jahre später, nach dem Tod ihres Mannes, des nur 99 Tage regierenden Kaisers Friedrich III., ließ die "Kaiserin Friedrich" das Schloß Friedrichsruh erbauen und sie machte Kronberg zu ihrem Witwensitz. Schon bald nach Kriegsende reiste Schreyer auch wieder nach Paris, wo er fortan die Wintermonate zu verbringen pflegte, doch blieb Kronberg blieb sein Hauptwohnsitz. Schreyer wurde von den Franzosen als einer der Ihren angesehen und akzepiert, während er selbst sich wohl als Kosmopolit empfand.
Fast drei Jahrzehnte lang lebte Adolf Schreyer als hochangesehener Bürger in Kronberg und pflegte vielfältigen Umgang mit seinen Malerkollegen. Durch seine weltmännischen Erfahrungen und seine weit über die Grenzen Deutschlands reichende Berühmtheit hob er sich allerdings von diesen ab und man kann ihn nicht eigentlich als Mitglied der Kronberger Malerkolonie bezeichnen. So wirkte sein persönlicher Malstil nicht nachhaltig auf die anderen ortsansässigen Künstler ein, und noch weniger wurde er selbst von diesen beeinflußt. Eng befreundet war Schreyer mit seinem Nachbarn Norbert Schrödl. Anderen Malern wirkte er als Ratgeber und vermittelte ihnen Kontakte nach Paris, so etwa Heinrich Winter und später Fritz Wucherer.
Im Jahr 1895 wurde Adolf Schreyer die Ehrenbürgerwürde der Stadt Kronberg verliehen, interessanter Weise wegen seines sozialen Engagements und seiner Verdienste um das Feuerlöschwesen. Am 29. Juli 1899 verstarb der Künstler, er wurde unter großer Anteilnahme in Kronberg beigesetzt. Noch im selben Jahr veranstaltete die Nationalgalerie in Berlin eine große Gedächtnisausstellung mit 150 Werken Schreyers.

   Im Atelier
Adolf Schreyer war ein Künstler der, beeinflußt durch die Zeitströmungen der Malerei des 19. Jahrhunderts aber doch durchaus eigenständig, früh zu einem persönlichen Malstil kam und diesem Zeit seines Lebens treu blieb. Eine schon in der Kindheit entwickelte Neigung bestimmte ihn zum Pferdemaler; bereits die frühen Bilder lassen erkennen, daß die Perde liebevoller dargestellt werden als ihre Reiter. Die ersten künstlerischen Einflüsse auf Adolf Schreyer ergaben sich durch seine Ausbildung an der Frankfurter Städelschule, insbesondere durch Jakob Becker, auch verschiedene Münchner Maler sind hier zu nennen, sowie der Österreicher August von Pettenkofen (1822-1889). Von nachhaltigerem Einfluß auf seinen Malstil war jedoch die Inspiration durch die französischen Orientalisten, insbesondere Eugène Fromentin mit seinen Algerienbildern. So war es kein Zufall, daß sich Schreyer in Paris niederließ und schon vor der ersten Orientreise Bilder mit arabischen Motiven malte. Bald entwickelte er einen eigenständigen Stil, der sich durch eine leuchtende virtuose Farbgebung, atmosphärisch dichte Stimmung und eine dynamische, die Konturen auflösende Gestaltung auszeichnete. Von stürmischen Neuerer Courbet (der schon bei seinem Besuch in Frankfurt 1858/59 tiefen Eindruck auf die jüngeren Maler dort ausgeübt hatte) übernahm Schreyer eine effektvolle Abschleiftechnik der Farbschichten.
Nachdem Schreyer zu seinem Stil gefunden hatte, hielt er daran unbeirrbar fest, er konzentrierte sich auf die seiner Begabung gemäße Malweise. Die auf den frühen Reisen einmal gewonnenen Eindrücke genügten als Inspiration für seine künstlerische Produktion bis ins hohe Alter, wobei Schreyer bemerkenswert unabhängig von seiner momentanen Umgebung blieb. Eine Weiterentwicklung im Werk Schreyers ist in Maltechnik, Komposition und Motivwahl kaum zu beobachten. Hierzu trug auch der große wirtschaftliche Erfolg bei, denn die Käufer seiner Bilder legten Wert darauf, einen "typischen Schreyer" zu erwerben. Der Produktionsdruck führte dazu, daß der Künstler bestimmte Motive immer wieder variierte und manche der Bilder eher skizzenhaft ausgeführt wurden, was auch manche zeitgenössischen Kritiker - besonders in Deutschland - monierten.
Die kunstgeschichtliche Einordnung Schreyers ist nicht unumstritten. Manche Beobachter sehen in ihm einen Bahnbrecher des Realismus und Impressionismus in Deutschland. Dem steht entgegen, daß er sich selbst nicht als Impressionisten empfand und auch von den meisten Zeitgenossen nicht als solcher eingeordnet wurde. Nach seinem Selbstverständnis wollte Schreyer durchaus an einer sorgfältig durchgestalteten Komposition und Lichtgestaltung im Sinne der akademischen Tradition festhalten. Der erzählerische oder beschreibende Aspekt tritt bei seinen Werken aber in den Hintergrund. Im Gegensatz zu anderen Malern des Orientalismus (in Deutschland besonders vertreten durch den Berliner Maler Wilhelm Gentz, 1822-1890) geht es ihm nicht darum, dem Betrachter bestimmte ethnolgische oder geographische Details der exotischen Motive nahezubringen. Der Schwerpunkt liegt vielmehr auf der Darstellung der Harmonie von Pferd und Reiter, der Einbettung der meist im Vordergrund hervorgehobenen Menschen- und Tiergruppen in die Wüsten- oder Steppenumgebung, kurz: auf der Vermittlung von Stimmungen. Dies macht auch heute noch den Reiz seiner Bilder aus.

 

Adolf Schreyer von Richard Graul (1888)

Gedicht zum 70. Geburtstag von Otto Donner von Richter (1898)

Erinnerungen an Adolf Schreyer von Hans von Faber du Faur (1926)

Schreyer's Artillerieangriff vor Traktir aus "Über Land und Meer" (1865)

Hier finden Sie eine Auswahl der Werke Adolf Schreyers
Pferde, Reiter und Husaren
Aus dem Morgenland
In der Walachei

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