Anton Burger



    Selbstportrait
Anton Burger wurde am 14.11.1824 als Sohn eines angesehenen Weißbindermeisters in der Alten Gasse in Frankfurt am Main geboren. Die Liebe zur verwinkelten Frankfurter Altstadt, dem Milieu seiner Kindheit, sollte ihn nie verlassen und er blieb immer ein 'Frankfurter Bub'. Seit 1842 studierte Burger am Städelschen Kunstinstitut unter Johann Jakob Jung, Heinrich Franz Rustige und seit 1844 unter dem aus der Düsseldorfer Malerschule hervorgegangenen Jakob Becker. Besonders der letztere erwies sich als einflußreicher, seinem Schüler aber auch den notwendigen Freiraum gebender Lehrer. Während der Studienzeit freundete sich Anton Burger mit dem 15 Jahre älteren J.F. Dielmann an, der am Städel ein Atelier unterhielt. Auf Vorschlag des Städel-Direktors Philipp Veit, von dem Burger auch eine sorgfältige Ausbildung als Zeichner erhielt, setzte er 1846-48 seine Studien in München fort, u. a. bei Peter Hess. Im Münchner Kunstverein stellte er erstmals eigene Werke aus. Im Zuge der revolutionären Unruhen in Deutschland kehrte er im Jahr 1848 nach Frankfurt zurück.
In den folgenden Jahren führte Burger ein aktives und geselliges Leben in Frankfurter Künstlerkreisen. Durch Erteilung von Unterricht, Verkauf von Gemälden und Illustration von Reiseführern für den Frankfurter Verleger Carl Jügel bestritt er seinen Lebensunterhalt.
Im Jahr 1851 heiratete Burger seine Jugendfreundin Katharina Elise Heislitz. In der Folgezeit verbrachte das junge Ehepaar mehrere Sommeraufenthalte in Kronberg. 1853 unternahm Burger (mit Angilbert Goebel und Philipp Rumpf) eine Studienreise nach Paris, wo er mit Camille Corot und Gustave Courbet in Kontakt stand. 1856, erschüttert durch den Tod seiner ersten Frau, ging Burger für etwa ein Jahr nach Düsseldorf zu August Weber. Von dort aus unternahm er auch eine Reise nach Antwerpen und Amsterdam, wo ihn die Werke der alten niederländischen Meister tief beeindruckten. Viele der späteren in warmen Braun- und Goldtönen gehaltenen Genrebilder Burgers stehen unter dem Einfluß der niederländischen Maler des 17. Jahrhunderts Adriaen und Isaak van Ostade und Adriaen Brouwer.

Bald nach seiner Rückkehr nach Frankfurt entschloß sich Burger 1858 zur Übersiedlung nach Kronberg, ohne jedoch die engen Verbindungen nach Frankfurt zu lösen, etwa als Mitglied der 1857 gegründeten "Frankfurter Künstlergesellschaft". Ebenso wie der schon vorher nach Kronberg gezogene Freund J.F. Dielmann logierte Burger zunächst im Dachgeschoß des Gasthauses "Zum Adler", das sich mit seinem jovialen Wirt Renker zum Zentrum des Künstlerkreises entwickelte. In den kommenden Jahren entfaltete Burger eine rege künstlerische Tätigkeit und schuf eine Fülle von Werken auf zahlreichen Gebieten der Malkunst. Neben Dielmann war Burger auch mit Philipp Rumpf, Johann Jacob Maurer und Angilbert Goebel eng befreundet. Die Aktivität dieser und einer ganzen Reihe weiterer Künstler führte zum Entstehen der Kronberger Malerkolonie, die etwa ein halbes Jahrhundert lang in Blüte stand. Anton Burger war mit seiner ansteckenden Lebensfreude und Aktivität deren unbestrittener Mittelpunkt. Mit der Zeit erwarb er sich ein solches Ansehen, daß er mehr bewundernd als spöttisch der "König von Kronberg" genannt wurde. Burger war ein kleinwüchsiger Mann von außergewöhnlicher Körperkraft, gesellig, trinkfest, humorvoll, teils auch zu groben Späßen aufgelegt, aber stets großzügig gegenüber weniger vom Glück begünstigten Kollegen.
Drei Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Burger 1859 die Kronberger Arzttochter Anna Johanna Auguste Küster, die 1876 nur vierundvierzigjährig verstarb. Die dritte und letzte Ehe schloß er 1882 mit seiner ehemaligen Malschülerin Pauline Fresenius. Burger war in seiner Heimat fest verwurzelt. Daran konnten auch Reisen nach Paris (1867), wobei ihn der dort ansässige Adolf Schreyer zum Übersiedeln bewegen wollte, und nach Oberitalien und Rom (1872 und 1874) nichts ändern. Ab 1877 unterhielt Burger ein florierendes eigenes Schüleratelier in seinem neuerrichteten großen Haus in Kronberg (Frankfurter Straße 21). Unter Burgers Malschülern haben sich besonders Nelson Kinsley, Fritz Wucherer, Ferdinand Balzer und Philipp Franck hervorgetan. Gerne umgab er sich, entgegen den Vorurteilen seiner Zeit, auch mit weiblichen Schülerinnen, teils dilettierenden "höheren Töchtern" des Frankfurter Bürgertums, teils aber auch begabten Künstlerinnen wie Mathilde Knoop, Bertha Bagge und Minna Roberth.

  An der Staffelei
Burgers Werke erfreuten sich bei seinen Zeitgenossen großer Bewunderung und Beliebtheit. Die Bilder aus seiner umfangreichen Produktion fanden gewöhnlich sofort Abnehmer, die meisten gingen wegen ihres Lokalkolorits in private Haushalte aus der Kronberger Umgebung und in Frankfurt. Beim Frankfurter Großbürgertum gehörte es zum guten Ton einen "Burger" zu besitzen. Mit manchen der Honoratioren pflegte Burger auch persönlichen Umgang, etwa mit dem Brauereibesitzer Conrad Binding und dem Unternehmer Johann Georg Mouson. Nur ein relativ kleiner Teil seiner Werke verließ die Frankfurter Region, dennoch erntete Burger auch international Anerkennung und fand auch in Paris, London und Wien Käufer. Zu seinem siebzigsten Geburtstag (1894) wurde Burger zum königlich preußischen Professor ernannt, und zum Ehrenmitglied der Bayrischen Akademie. In München wurde auf Anregung Lenbachs eine große Burger-Ausstellung veranstaltet. Auch seine Wahl-Heimatstadt Kronberg ehrte ihn durch Verleihung der Ehrenbürgerwürde. Am 6. Juli 1905 starb Anton Burger und wurde unter großer Anteilnahme aus Kronberg und Frankfurt auf dem Kronberger Friedhof beigesetzt. Am Kronberger Schiller-Weiher wurde ihm 1908 ein von dem Münchner Bildhauer Karl Ludwig Sand gestaltetes Denkmal gesetzt.


   Gemälde von Norbert Schrödl
Anton Burger war der wohl fruchtbarste und vielseitigste der Kronberger Maler. Er schuf Landschaften, Portraits, Genreszenen, Veduten, Interieurs, Karikaturen, Radierungen und Gelegenheitsarbeiten aller Art. Im Gegensatz zum in seiner Studienzeit noch vorherrschenden akademischen Stil interessierten ihn nur an der Wirklichkeit entlehnte und mit seinem Lebensumfeld verbundene Themen. Als Motive bevorzugte Burger "malerische" Orte und Szenen, originelle Ecken und Winkel mit Personenstaffagen, wobei er sowohl die Städtchen im Taunus wie die alten Viertel seiner Vaterstadt Frankfurt darstellte. Er malte aber auch zahlreiche Genrebilder mit Szenen aus dem Alltag von Bauern, Handwerkern und Kindern. Ein weiterer Teil von Burgers Werk sind lebhaft gestaltete Landschaftsbilder. Hier wurde er entscheidend durch die zeitgenössische französische Malerei, insbesondere durch die Schule von Barbizon beeinflußt, die er durch seine Parisreisen und auch durch Vermittlung seines Malerfreunds Peter Burnitz kennengelernt hatte. Schließlich bildeten auch Szenen der von Burger heiß geliebten Jagd Vorlagen für seine Bilder.

Juliane Harms: Anton Burger in "Nassauische Lebensbilder", 1955

Das Burger-Denkmal am Schiller-Weiher

Hier finden Sie eine Auswahl der Werke Anton Burgers
Frankfurt am Main
Kronberg
Dorfszenen
Interieurs
Taunuslandschaft
Auf der Jagd
Zeichnungen

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