Anton Burger

von Juliane Harms

Nassauische Lebensbilder, Band 5, 1955

  Anton Burgers Leben und Kunst hat, im ganzen gesehen, vieles mit dem Dielmanns gemeinsam. Geborener Frankfurter, ist auch er schon als Jüngling Städelschüler, der nach wenigen auswärtigen Lehrjahren früh zum eigenen Stil findet. Ohne Schwankungen und ohne Nachlassen hält er sich auf der einmal errungenen künstlerischen Höhe. Auch er ist einer der glücklichen Maler, deren Bilder von der Staffelei weg den Weg in die Häuser der Bürgerschaft Frankfurts, ob hoch oder gering, fanden, und dessen Werken auch schon früh die Ehre zuteil ward, in die Sammlungen seiner Vaterstadt aufgenommen zu werden. Auch Burger ist auf der Höhe seines Lebens nach Kronberg gezogen um es, von kurzen Reisen abgesehen, nicht mehr zu verlassen.
Jedoch diesen äußeren Lebensweg schreitet er nicht wie sein Freund Dielmann unter vielfachen Mühen, Bedenken und sorglichen Betrachtungen dahin, sondern mit unverwüstlicher Lust am Dasein, mit Humor und sprudelnder Lebendigkeit legt er die einzelnen Etappen zurück. Nicht langsam und sorgsam wägend entstehen seine Bilder, sondern sie werden mit temperamentvoller Leichtigkeit zu rascher Vollendung gebracht, um ebenso schnell den Weg zu Liebhabern und Käufern zu finden.
1824 wurde Anton Burger in Frankfurt als Sohn eines Weißbinders geboren, also in einer Umgebung, in der der Umgang mit Farbe und Pinsel zum täglichen Brot gehörte. 1813 hatte Vater Burger, wackerer Handwerker und späterer Bürgerkapitän, die Freiheitskriege mitgemacht und sollte, dank seiner militärischen Tüchtigkeit, nach der Heimkehr dem Regiment als Hauptmann verbleiben. Er zog es jedoch vor, wieder das erlernte Handwerk eines Tünchers zu ergreifen und es nach Überwindung konfessioneller Schwierigkeiten, die es dem Katholiken nicht leicht machten im protestan- tischen Frankfurt vorwärts zu kommen, zum Meister zu bringen. Als solcher heiratete er und richtete sich ein altes Bürgerhaus in der Altengasse zum Sitz einer sich rasch vergrößernden Familie ein. Hier erblickte Anton Burger an einem Sonntag des Jahres 1824 das Licht der Welt und hier auf der "Altegaß" verlebte er eine glückliche und ungebundene Jugend, von der er bis ins Alter hinein gerne erzählte. Schon früh der Stärkste "auf der Gaß" führte er die Kameraden an und erfüllte nebenher ohne Anstrengung die Ansprüche der Volksschule. Streifzüge führten ihn durch alle Straßen und Winkel der Frankfurter Altstadt, ab und zu auch hinter die Ghettomauern. Die malerische und fremde Buntheit, die ihm in diesem begrenzten Bezirk begegnete, vermengt mit dem Schauer, den er beim Ritus des jüdischen Schlachtens erlebte, beeindruckten das Kind nachhaltig.
Nach Absolvierung der Volksschule hieß es als Lehrbub ins väterliche Handwerk eintreten, eine Forderung, der Burger mit Vergnügen nachkam. Umgang mit Farben, verbunden mit körperlicher Bewegung beim Ersteigen der Leitern und Gerüste, fand durchaus seine Billigung. Umsomehr, als der Vater klug genug war, den Jungen nebenher auf die Zeichenschule im Städelschen Institut zu schicken. Er wurde zunächst mit einigen Talentproben Philipp Veit vorgestellt, der ihn daraufhin gerne aufnahm und zunächst seinem Schüler Jung, dann dem Genremaler Rustige anvertraute. 1842 ist Burger dann als Malschüler zu Jakob Becker gekommen, in dessen Atelier durch Vermittlung Veits, der um die Wesensart der seiner Schule Anvertrauten sehr wohl Bescheid wußte, die Freundschaft mit Dielmann geschlossen wurde.
Zunächst Handlanger des im Sinne Veits religiöse Themen gestaltenden Jung, durfte Burger ab und zu auch zu eigenen kleinen Kompositionen übergehen. Hierbei ergab sich, daß das häufige Herumstreifen in Alt-Frankfurt bereits seine Wirkung tat. Seine Heiligen erschienen nicht vor idealen oder in Wolkensphären erhobenen Hintergründen, sondern ergingen sich höchst irdisch in Frankfurter Gässchen, auf Mainbrücken und in Altstadtwinkeln. Der erstaunte Veit soll hierzu lakonisch geäußert haben, die Heiligen solle er lieber streichen, das #Drumrum" aber stehen lassen.
Unter dem Genremaler Rustige und anfänglich auch unter Jakob Becker galt dann Anton Burger keineswegs als sonderlich begabt oder zu außergewöhnlichen Hoffnungen anregend. Ganz im Gegenteil wurde ihm von seinen Lehrern geraten, sich mehr auf dekorative Gebrauchsgraphik und Illustrationen zu konzentrieren und das Bildermalen bleiben zu lassen. Man urteilte hierbei nach den wenig erfreulichen Leistungen, die Burger im Zuge der schulmäßigen Ausbildung, das heißt im Zeichnen nach Gipsmodellen oder im sorgfältigen Komponieren nach strengen Regeln, zustande brachte. Niemand kannte damals, was bereits an Skizzen und Bildentwürfen in Mappen ruhte und in Atelierecken herumstand.
Burger kümmerte sich wenig um das Urteil seiner Lehrer und ging den Weg, der ihm immer wieder Frische, Schaffenskraft, Lebenslust und künstlerisches Gelingen spendete, den Weg in die Natur. Das heißt für den Frankfurter, er ließ die alte Stadt hinter sich und zog zu Fuß, mit Bleistift und Skizzenbuch bewaffnet, in den Taunus. Von hier brachte er einen überraschenden Reichtum an lebensprühenden Zeichnungen und originellen Entwürfen nach Hause, die seinen Lehrern plötzlich die Augen über diesen ungewöhnlichen Schüler öffneten, der nun einmal nicht nach überkommenen Regeln zu erziehen war. Als sich zu den Landschaften auch erste figürliche Darstellungen in flotter, zügiger Auffassung gesellten, wurde besonders Veit aufmerksam. Ein kleines Bildchen, das einen lustig pfeifenden Weißbinderlehrling beim Anstreichen einer Stubenwand darstellte, soll ihm besonders aufgefallen sein, so daß er beschloß, dem jungen Künstler weiter zuhelfen. So wie er 1835 Dielmann nach Düsseldorf geschickt hatte, sorgte er 1846 dafür, daß der 22jährige Burger ebenfalls aus Frankfurt heraus kam, um neue Eindrücke und bedeutende Kunstrichtungen auf sich einwirken zu lassen. Burger wäre ganz gerne nach Paris gezogen, dessen fortschrittliche Malerei in Frankfurt durchaus geschätzt und gesammelt und auch von Freund Dielmann so sehr beachtet wurde. Aber Veit dirigierte ihn energisch nach München, vielleicht in der Annahme, daß Burgers sehr leichter und rascher Art des Malens das im Landschaftlichen und Figürlichen so kräftig und fest Gebaute der Bilder von Heß, Bürkel, Dillis und Kobell gut tun könnte. Sorglich gab er Burger schriftliche Empfehlungen an Peter Heß mit, die jedoch niemals abgegeben wurden. Denn dem jungen Maler lag nicht im geringsten daran, erneut von älteren, fertigen Meistern Lehren und Ratschläge zu erhalten, die seiner Natur zuwiderliefen. Er suchte die Kameradschaft junger, gleich ihm noch Unbekannter, hauste fröhlich mit ihnen in gemeinsamem Quartier in der Ludwigstraße, führte mit ihnen eine Kasse und freute sich an der Vielfalt der künstlerischen Richtungen, die sie vertraten. Landschaften und vor allem Innenraumstudien waren es, die ihn selbst hauptsächlich beschäftigten. Es ging ihm darum, dem Raum als solchem mit Mitteln des Lichtes und geheimnisvollen Heil-Dunkels Athmosphäre und Stimmung zu geben. Die Münchner Kunstsammlungen mit ihren reichen Schätzen alter Niederländer zogen ihn magisch an, und er vertiefte sich in diese alten Bilder so stark, daß ihm der typische Münchner Malstil seiner eigenen Zeit kaum recht zu Bewußtsein gekommen zu sein scheint. Nur Moritz von Schwind war sein erklärter Liebling, jedoch ohne daß dessen Kunst sein eigenes Schaffen fühlbar beeinflußte.
Was er gemalt hatte, stellte Burger im Kunstverein aus und wurde so bekannt. Peter Hess freute sich an den Bildern und plädierte sogar des öfteren für einen Ankauf, wodurch Burgers Kasse prächtig aufgeholfen wurde. Es ermöglichten sich so Theater- und Konzertbesuche, vor allem aber Reisen ins Gebirge, die teils landschaftlichen Studien, teils aber auch dem jugendlichen Austoben eines gewaltigen Kraftüberschusses gewidmet wurden. Durch Beweise außergewöhnlicher Körperkräfte und unversiegbaren Humors erobert sich Burger die aufrichtige Bewunderung der Bayern.
1848 kehrt Burger nach Frankfurt zurück, ist nicht davon abzuhalten, sich kampfeslustig in die Barrikadenkämpfe zu stürzen, windet sich glücklich durch spätere gerichtliche Verhandlungen durch und beginnt sich dann energisch als Künstler auf eigene Füße zu stellen. Die Freundschaft mit Dielmann wird wieder eng geknüpft und es ergibt sich jene vergnügliche Art der Zusammenarbeit, die bereits geschildert wurde. Daneben arbeitete Burger eifrig für das Verlagshaus Jügel, das ganze Mappen mit Ansichten von Rhein und Taunus nach seinen Vorlagen erscheinen ließ. Als Burger 1851 seine Jugendliebe heimführte, war er soweit, sich und seine Familie durch seine Kunst ernähren zu können. Volksszenen aller Art, teils humoristisch, teils gemütvoll anteilnehmend gesehen, malte er damals, daneben Landschaften mit figürlicher Staffage. Auch das Fest der Bischofsweihe in Mainz und Volksszenen auf dem zugefrorenen Rhein wurden künstlerisch gestaltet. Privatunterricht wurde einer großen Zahl von Schülern und vor allem ausländischen Schülerinnen erteilt und brachte Verdienst.
Burgers munteres, verbindliches und dabei erfrischend natürliches Wesen machte ihn beliebt, wohin er auch kam. Seine Gutmütigkeit und nobele Freigebigkeit schufen ihm stets einen großen und dankbaren Freundeskreis. Sein leichtes, müheloses Schaffen und das Unversiegbare seiner Einfälle machten ihn zum Helfer in allen künstlerischen Nöten. In unzählige Bilder der Malerfreunde setzte er mit leichter Hand die Staffage, hier ein paar Menschen, dort ein Pferd, ein Gespann, ein paar Kühe.
Fleißig vorwärtsdrängend und um Vollendung bemüht, müssen wir uns Burger in jenen glücklichen Frankfurter Jahren vorstellen. Dies alles keineswegs aus ernsthaften moralischen Erwägungen heraus, sondern instinktiv aus Lust am Schaffen, aus Freude am Gelingen und künstlerischem Erfassen dessen, was ihn in drängender und beglückender Fülle der Motive umgab und seine geliebte Umwelt ausmachte. Den Niederländern der Städelschen Sammlung, bereits damals in einem eindrucksvollen Saal des alten Baues vereinigt, galt nach wie vor seine ganze Hochachtung.
Als Bildmotive jener 50er Jahre werden in alten Verzeichnissen unter anderen "Sonntagsmorgen", "Partie aus dem Taunus", "Im Gasthausgarten" genannt, also Landschaften mit figürlicher Staffage und hie und da architektonischen Beigaben, wie Burger sie von Jugend auf zu gestalten pflegte. Leicht hingetupft, lichtbraun im Ton, hie und da noch ein wenig leer, unterscheiden sie sich nicht sehr wesentlich von der bekannten fertigen Malweise der 60er Jahre, die Burger dann auf voller Höhe zeigt.
Sein äußeres Leben erfährt einen Umbruch durch den frühen Tod der jungen Gattin, die Burger mit einem kleinen Töchterchen zurückläßt. Aufs tiefste erschüttert und allein hält er es in Frankfurt nicht mehr aus. Das Kind vertraut er den alten Eltern an und begibt sich auf Reisen. Kurze Wochen ist er damals in Paris gewesen, die Malerfreunde Rumpf und Göbel sollen ihn begleitet haben. Die Stadt selbst mit ihrer beweglichen Eleganz und dem strahlenden Glanz ihres Lebens hat ihn nicht sonderlich überwältigt. Dagegen beeindruckte ihn die zeitgenössische französische Malerei mit der schwebenden, duftigen Pleinair-Manier eines Corot und der aus leuchtenden Farben und braungoldenen Schatten mächtig gestaltenden Art Courbets aufs stärkste. Beide Meister hat er persönlich kennengelernt. Aber es hält ihn nicht lange, es zieht ihn nach Deutschland zurück. 1856 weilt er etwa ein Jahr lang in Düsseldorf, so daß nach München und Paris nun auch die dortige Kunstweise auf Burger einwirken konnte. In nahen Kontakt trat er hier zu dem ausgezeichneten Landschafter August Weber, zu Teutwart Smithson und wohl auch zu den Brüdern Achenbach. Im Grunde aber ist er schon ein so Fertiger gewesen, daß er wohl noch manche Anregungen von diesen Meistern aufnehmen konnte, im übrigen aber der blieb, der er bereits war. Reisen nach Amsterdam und Antwerpen schließen sich an. Hier erst lernt er die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts in ihrer ganzen Bedeutung kennen. Er besuchte die Museen und weilt wieder und wieder bei der Familie Six, um deren prächtigen Besitz an Rembrandt-Originalen zu studieren.
Mit gefüllten Skizzenbüchern kehrt er nach Frankfurt zurück, und es setzt nun eine künstlerische Produktion ein, wie sie sogar für Burgers ja immer rasche und fleißige Art erstaunlich ist. Das Leben der Großstadt mit seinen Anforderungen aber hemmt ihn an allen Ecken und Enden, mehr und mehr verbringt er Tage und Wochen im Taunus, vor allem im nahen Kronberg. Er entwickelt sich zum passionierten Jäger, so daß ihn auch die Herbst- und Wintermonate immer wieder in die Taunuswälder und Täler ziehen. Anfangs der sechziger Jahre ist es dann soweit, daß er ganz nach Kronberg übersiedelt, wo er Dielmann bereits als seßhaften Meister antrifft.
Auch der Frankfurter Maler Rumpf folgte mit seiner Gattin und einer großen Kinderschar nach.
Zunächst hausten Dielmann und Burger im "Adler", in dessen ländlicher Schänke die Bauern, die Holzfäller, die Jäger beim "Äppelwoi" zusammentrafen. Der stattliche, wohlbeleibte Wirt Renker stand dem Ausschank mit Würde vor. Er hat sich an das lustige und übermütige Malervolk gewöhnen müssen, das sich bei ihm unterm Dach eingenistet hatte, einen Kollegen nach dem anderen herbeizog, diskutierte, schwadronierte, zechte und die Wände des Saales mit originellem Bildschmuck überzog. Manche Neckereien mußte er über sich ergehen lassen, genoß jedoch dafür die Ehre, des öfteren gemalt zu werden. Zum Glück war er verständnisvoll genug, den bereits erwähnten "Saalschmuck" zu dulden und unbehelligt zu lassen.
Die Münchener Pinakothek besitzt heute das prächtige Gemälde Burgers aus dem Jahre 1861, das den Adlerwirt in seiner alten, verräucherten Wirtsstube zeigt, in die das Licht braungolden hereinflutet, die bodenständig derbe, prächtig charakterisierte Gestalt Renkers umspielt und das köstliche Stilleben der irdenen Krüge, Gläser und Trichter in der Ecke aufleuchten läßt. Ausgezeichnet beobachtet die am Fenster lehnende massive Gestalt des pfeiferauchenden Wirtes und eines hageren, in sich zusammengesunken hockenden Gastes. Ein warmer Gesamtton faßt alle Einzelheiten zusammen. Bei aller Feinheit im Detail ist jeder Pinselstrich zügig, markant, leicht und voller Temperament. Das ausgezeichnete Bild trug Burger 1869 die große goldene Medaille in München ein.
1862 zeigte er in London zwei Bilder, die seinen Namen bekannt machten und sofort in englischen Privatbesitz übergingen, die "Frankfurter Judengasse" und die "Bendergasse", Darstellungen, die er späterhin wieder und wieder in immer neuen Abwandlungen gestaltete.
Schmal und hoch öffnet sich die Gasse, Getümpel und die Auslagen der Althändler lassen sie noch enger erscheinen. In orangebraunem Dämmer liegen die Häuser, goldene Sonne trifft nur hie und da in kleinen leuchtend hellen Flecken auf. In gedrängten Gruppen stehen alte Juden in Kaftan und Zylinder beieinander, Frauen hocken in den Haustüren. Hoch oben über all dem Braun und Gold spannt sich ein zarter, blauduftiger Himmel.
In dieser Zeit entsteht die "Kranke Ziege" (Städel), Konsultation des heilkundigen Schäfers im tiefen, warmen Dämmerlicht des Stalles, aus dem das helle Fell des kranken Tieres herausleuchtet. Es entstehen die Bilder der zechenden und kaltenspielenden Bauern in den dämmrigen Schenken und Stuben, die Szenen in den Schmieden, beim Barbier, auf der Kegelbahn. Motive wie sie auch jeder niederländische Maler gestaltet hätte, jedoch in eine Welt leichterer, gewichtsloserer Formen übertragen, rascher hingehuscht im Strich, schwereloser im Gesamtaufbau.
Burger hat seine Bilder nur selten datiert, er hat ein und dasselbe Bildthema immer neu gestaltet, ja oft wie ein musikalisches Motiv variiert und ausgesponnen. Malweise und Farbgebung bleiben sich gleich, das heißt, der Pinsel behält seine zauberhaft huschende Leichtigkeit, die Farben ihr bei der Gestaltung von Innenräumen auf warmes Braun-Gold, bei der Landschaft auf toniges, lichtes Grau, auf mattes, durchsonntes Grün oder herbstliches Rotbraun abgestimmtes Gepräge. Ein köstliches, helles Blau, ein Spritzerchen leuchtendes Rot oder ein keckes, goldgelbes Sonnenfleckchen vermögen den duftigen Gesamtton aufs reizendste zu beleben. Burgers Erfindungsgabe ist so unerschöpflich, daß die Bildmotive nicht zu zählen, sondern höchstens in Kategorieen einzuteilen sind.
Da sind die reinen Landschaften, fast ausschließlich Täler, burgengekrönte Höhen und Wälder des Taunus, daneben die gleichen Motive mit reicher Staffage von ausziehenden, sich sammelnden und bei der Strecke verharrenden Jägern, die oft mit viel Humor geschildert werden, besonders wenn es sich um bäuerliche Jagdbeflissene oder Treiber handelt. Neben den Waldbildern, die am liebsten die herbstliche Jahreszeit mit dem braungoldenen Ton des Laubes bevorzugen, erscheint die tief in weiß-silbrigen Schnee ein gebettete Winterlandschaft, über die ein graudunstiger Himmel tief herabhängt.
Die Städtebilder zeigen an erster Stelle die Frankfurter Altstadt, ihre Gassen, Plätze, Höfe, Kirchen, Brunnen und Brücken. Die Ausübung charakteristischer Gewerbe, die Märkte, Schirnen, Trödlerbuden, vor allem auch die sich innerhalb all dieser Bezirke abspielenden Volksbelustigungen bilden die von der Umgebung untrennbare Staffage. Hervorragende Beispiele dieser Art besitzen die Frankfurter Museen.
Neben Frankfurt ist es dann in erster Linie Kronberg, dessen Gäßchen und Winkel, Brunnen und zart sich gegen den Himmel abhebende Schloßsilhouette bald in sommerlichem Duft, bald in schneeverwehtem Grau trüber Wintertage künstlerisch gestaltet werden. Die Wiesbadener Galerie besitzt solch einen "Wintertag in Kronberg" aus dem Jahre 1874, ein ähnliches Bild das Städel in Frankfurt.
Die Innenraumbilder wurden bereits erwähnt, die Wirtshausszenen, Ställe und Scheuern, Dorfschmieden, Kegelbahnen, Altstadthöhlen, in deren geheimnisvollem Dunkel die Trödler hocken, altväterische Stuben, in denen die Alten dahindämmern. Atelierszenen, alles erscheint im Bild, dazu noch in zahllosen Variationen. Der "Adlerwirt Renker" wurde bereits genannt, ebenfalls die "Kranke Ziege" der Städelschen Sammlung. Die Wiesbadener Galerie besitzt das prachtvolle Bild des Trödlers Benack in seinem Laden, ein Gemälde, das uns in die schattige Tiefe eines malerischen Hausganges führt, in dem der Alte in einen Folianten vertieft zwischen allerlei Gerümpel auf einer verfallenen Treppe hockt. Geheimnisvolle Schatten umweben ihn, während man durch eine rückwärtige Tür in einen sonnenerhellten Raum sieht.
Vorzeichnungen in oft nur geistreich andeutender, huschender Bleistiftmanier, mit genauen Farbnotizen versehen, besitzen die graphischen Kabinette der Museen. Sie bewahren daneben das stattliche Werk der außerordentlich feinen, mit subtilstem Strich ausgeführten Radierungen, meist landschaftlicher Art. Dazu kommt eine gar nicht übersehbare, heitere Fülle von Glückwunschadressen, Einladungskarten, Menüs, Liedillustrationen Schießscheibenentwürfen, bebilderten Briefen und dergleichen mehr, die noch nebenbei entstanden und als selbstverständliche, meist humoristische, Abrundung einer unerschöpflichen malerischen Produktion zu betrachten sind.
Vor allem die Frankfurter Kunstsammlungen und die Museen in Darmstadt und Wiesbaden besitzen ausgezeichnete Beispiele der Burgerschen Kunst, außerdem befinden sich Einzelwerke fast in allen Galerieen Deutschlands. Am reichsten aber war und ist der Frankfurter Privatbesitz an Werken unseres Meisters. Es gab Familien, die ganze Reihen seiner schönsten Werke besaßen, die sich wie selbstverständlich den bürgerlichen Wohnräumen einfügten und von allen Familienmitgliedern geliebt wurden. Es gab Kunsthandlungen, die stets eine Anzahl seiner Bilder zeigen konnten und immer Abnehmer dafür fanden. Burger selbst, keineswegs geschäftsgewandt oder auf Erwerb aus, sah seine Arbeiten das Atelier verlassen, sobald sie trocken waren. Oft waren sie bereits verkauft, wenn er nur das Motiv angedeutet hatte, das er zu gestalten gedachte.
An Freunde aber pflegte er seine Bilder in großzügigster Weise zu verschenken. Er konnte sich dies erlauben, denn neue Bildgedanken strömten ihm zu, die Werke entstanden rasch und leicht. Malen bedeutete beglückende, lustvolle Beschäftigung. Leichtigkeit des Pinsels, Leichtigkeit der Erfindung, lockerer Duft tonig gebundener Farben waren und blieben für Burgers Kunst bezeichnend. Manch einem wollte es oft ein wenig zu rasch, zu unbesorgt um ernsthafte Kunstregeln bei des Meisters Malerei zugehen. Der alternde Jakob Becker, einer der ersten Lehrer Burgers, soll einmal in diesem Sinne gesagt haben: "Wenn Burger malen würde wie Knaus, und Knaus die Erfindungsgabe, die schöpferische Leichtigkeit Burgers hätte, so wären zwei der größten deutschen Maler fertig". "Halb Ostade und halb Spitzweg" lautete ein anderes Urteil aus Künstlermund, das aber auch nicht recht zutreffend ist.
Burger ließ sich nicht irre machen. Er stand singend vor seiner Leinwand, blieb bei seiner Malweise, vervollkommnete sie in Treffsicherheit und farblicher Delikatesse, und blieb im übrigen, der er war.
In Kronberg nahm sein Leben den Verlauf, der dem Künstler gemäß war und ihn selbstbewußt wie ein ungekrönter König durch die Straße der kleinen Stadt schreiten ließ, die den geliebten Taunuswäldern, den Höhen und Jagdgründen so unmittelbar benachbart war. Es gab wohl keinen im Städtchen, der nicht Burgers charakteristische, nicht große aber kräftige und lebensvolle Gestalt, nicht seinen schönen, stolz getragenen Kopf mit den dunklen Augen, nicht seinen temperamentvollen Gang kannte. Durch seine außergewöhnlichen Körperkräfte, seinen Humor und seine wackere Trinkfestigkeit, dazu durch die Freude am Gesang und an Volksbelustigungen aller Art imponierte er den Bauern gewaltig, wahrscheinlich mehr als durch seine ihrem Verständnis ferner liegende Kunst. Aber keiner wagte ihn zu stören, wenn er irgendwo mitten im Getriebe der Gassen seine Staffelei aufbaute oder ein Modell zum Stillehalten aufforderte. In jedes Haus konnte er eintreten, in jedem Hof bei seinen Jagdgängen und ausgedehnten Wanderungen zum Essen einsprechen. "Greife Se nur zu, Herr Burcher, was ibberig is, krieht jo doch es Vieh" gehörte zu den gastfreundlichen Aufforderungen der ländlichen Hausfrauen, über die er sich stets köstlich zu amüsieren pflegte.
Aber auch an Malerfreunden fehlte es nicht. Dielmann und Rumpf lebten schon seit Jahren in Kronberg, Angilbert Göbel und Jakob Maurer waren hinzugekommen. Adolf Schreyer, der berühmte Maler walachischer und arabischer Pferdeszenen, nahm des Sommers ineigener Villa in Kronberg Aufenthalt. Schüler fanden sich ein, Schülerinnen umschwärmten Burger in Scharen. Er hatte schon bald die Wohnung im Dachgeschoß des "Adlers" verlassen und Zimmer in einem kleinen, behaglichen Haus am "Dobbes", einer leicht in Richtung Schloß ansteigenden Straße bezogen. Hier entstanden zahlreiche seiner Hauptwerke, oft stattliche Formate, die dann nicht durch die Türen gingen, und zur Erbauung der Kronberger durchs Fenster auf die Straße herabgelassen werden mußten. Wachsender Wohlstand erlaubte dann den Bau eines stattlichen dreistöckigen Hauses an der Frankfurter Straße, dessen ansehnlicher Garten sich zum Bahngeleise hinabsenkt. Nach der Straßenfront zu unauffällig und nüchtern, blickt das große Atelierfenster der Rückseite über den baumbestandenen Garten auf die Bergketten und Wiesenhänge des Taunus.
Burger hat ein zweitesmal geheiratet, die Tochter eines Arztes, der viel für die Erschließung der heilkräftigen Kronthaler Quelle bei Kronberg beigetragen hatte. Sie wurde seinem Kinde eine liebevolle Mutter und schenkte dem Meister eine zweite Tochter. Beide Mädchen, wohlgeartet und musikalisch sehr begabt, (das eine wurde später eine bekannte Opernsängerin) wuchsen zur Freude des Vaters heran. Im geräumigen Hause aber entwickelte sich ein reiches Kunstleben, an dem die bald von nah und fern herbeiströmenden Kunstjünger lebhaften Anteil nahmen. Chelius, Kinsley, Emil Rumpf und die Damen Bagge, Bauer, Fresenius, Knoop und Robert gehörten zur ersten Schülergeneration. Philipp Franck, Fritz Wucherer, Jakob Hertling und andere traten anschließend ein. Über Burgers eigenem großen Atelier mit dem prächtigen Renaissanceschrank und den über und über mit Bildern bedeckten Wänden, lag der Schülersaal. Zwischen beiden Räumen spann sich ein herzlicher Ton der Beratung, Belehrung und des Gedankenaustausches hin und her. Eine häuslich-familiäre Athmosphäre umgab das Ganze, die heranwachsenden Burger-Töchter nahmen an allem lebhaften Anteil. Die Schülerschar, insbesondere die Damen, waren dem Meister schwärmerisch ergeben. Komponierabende einigten alle um den großen Tisch, der Lehrherr zeigte seine neuesten Studien und Entwürfe, regte an, ermunterte und tadelte und wies immer und immer wieder auf die unmittelbare Anschauung der Natur als Quelle aller Malerei hin.
Das künstlerisch angeregte Leben des Burger-Hauses griff über auf das ganze Städtchen. Kleine Aufführungen im Atelier mit anschließender Verlosung von Skizzen und Zeichnungen wechselten mit großen theatralischen "Ereignissen" im "Adler". Im Verein mit der bühnenbegeisterten Familie des Apothekers Neubronner stieg die "Minna von Barnhelm" in großer Besetzung durch Burger-Schüler und Töchter, unterstützt durch die hübschen Apothekerstöchter. Das Spiel verlief für Darsteller und Zuschauer in unvergeßlicher Weise und endigte mit einem anschließenden munteren Tanz in jenem mit Malereien so heiter gezierten Saale, von dem schon des öfteren die Rede war.
Über dem jungen Volk thronten die Meister, die sich durchweg prächtig ver- tragen haben sollen. Die Freundschaft zwischen Burger und Dielmann war treu, alterprobt und auf gegenseitige menschliche und künstlerische Hochachtung aufgebaut. Philipp Rumpf mit seiner großen Familie, die ihm immer wieder Motive und Modelle für seine reizende Bilder lieferte, wurde von allen geliebt, einer seiner Söhne trat in Burgers Atelier ein. Den stillen Jakob Maurer hatte Burger besonders ins Herz geschlossen. Er fand draußen im Wald und Feld immer wieder Motive, von denen er behauptete "Die müßte der Maurer malen!" Peter Burnitz ist in jenen Jahren oft von Frankfurt herübergekommen um in Kronberg zu malen und sich in Freundesgesprächen Anregungen zu holen. Schreyer, inzwischen ein international berühmter Meister geworden, verbrachte von 1872 bis 1896 die Sommer in Kronberg und hat mit Burger gemeinsam manches Bild gemalt. All diese Meister hatten lange in Paris und Frankreich geweilt und brachten von dort mit, was bereits Dielmann intuitiv vorweg gestaltet hatte, den leichten Duft und die in silbergrauen, mattbraunen Farben gehaltene Malerei der Barbizon-Schule. Sie wußten diese zartgestimmte Plein-air-Kunst stimmungsvoll auf die heimischen Motive zu übertragen und ihnen dabei die deutsche Note teils bewußt, teils unbewußt aufzuprägen.
Burger ist mit allen gut Freund gewesen, ohne jedoch irgend einem Einnuß zu unterliegen. Seinen Schülern hat er nicht gerade dreingeredet, wenn sie dieser oder jener Richtung huldigten, seine eigne Art der Malerei aber dünkte ihm doch die wahre und beste; Die Anschauung der Natur, das intensive Belauschen ihrer Reize und Geheimnisse, nicht das Erhaschen irgend welcher aufdringlicher Effekte, lag ihm am Herzen. Hierüber konnte er den Schülern nicht genug predigen, sie nicht oft genug in Wald und Feld vor schlichteste Motive führen und deren Zauber und Schönheit erklären.
Burger hat Kronberg nur noch selten verlassen. Ein paar nicht allzu lange Reisen nach Italien, ein nochmaliger Aufenthalt in Paris brachten Anregung und Erfrischung. In den siebziger Jahren verlor der Meister seine zweite Frau und ertrug die dadurch in seinem Hause entstandene Leere und Kühle wiederum nur kurze Zeit. Als hoher Fünfziger ist er eine dritte glückliche Ehe mit seiner reizenden Schülerin Pauline Fresenius eingegangen, die seinem Hauswesen, dem sie schon lange verbunden war, von nun an als Herrin vorstand. Keine ganz leichte Aufgabe in diesem stets von Schülern, Künstlern, Kunst- und Jagdfreunden belebten Anwesen, in dem auch vielerlei Getier, Hunde und Esel, eine nicht unbedeutende Rolle spielten.
Als dann zu Beginn der neunziger Jahre durch die Übersiedlung der Kaiserin Friedrich nach Kronberg die große Welt dort ihren Einzug nahm, das Schloß Friedrichshof erbaut wurde und die prächtige Reihe der rasch entstehenden Villen und Parks den Charakter des ländlichen Städtchens zu verändern begannen, bekam auch das Burger-Haus oft hohen und allerhöchsten Besuch. Die Kaiserin hat oft und gern im Atelier des temperamentvollen und liebenswürdigen Meisters geweilt und sich mit ihm über künstlerische Fragen unterhalten. Noch heute erinnert sich die im Burger-Hause wohnende Enkelin der aufregenden Stunden, wenn die Lakaien am großväterlichen Gartentor Aufstellung genommen hatten und den Kindern den Eintritt wehren wollten. Als Anton Burger sich seinem 70. Lebensjahre näherte, war er ein weit über die Grenzen seiner Vaterstadt hinaus bekannter Meister, der die großen internationalen Ausstellungen beschickte und dem bereits zahlreiche Anerkennungen zuteil geworden waren. 1869 hatte ihm der "Adlerwirt" in München die große goldene Medaille eingetragen, 1874 erhielt er bei einer Ausstellung in London eine bronzene Plakette, 1880 die große silberne Medaille der internationalen Ausstellung in Berlin. Auch die Frankfurter Künstlerschaft ehrte ihn 1882 durch die Überreichung eines Diploms.
In Paris, wo Adolf Schreyer die Bilder seines Freundes eingeführt hatte, fand Burgers Kunst Bewunderet und Käufer. Der Kunsthändler Goupil erwarb möglichst viele Gemälde des Kronberger Meisters, die französische und belgische Presse war begeistert von der flüssigen Leichtigkeit dieser Malerei und ihrer farbigen Delikatesse. In London wurden die Burgerschen Bilder stets aufs raschste verkauft, in Wien fanden sie bei Künstlern und Kunstfreunden die höchste Anerkennung, Burger selber ließ seine Werke nur ungern ins Ausland, Freunde und Förderer seiner Kunst mußten drängen und nachhelfen, daß Ausstellungen zustande kamen. Wenn nicht der bereits einmal erwähnte L. Kohlbacher, der Geschäftsführer des Frankfurter Kunstvereins, den Künstler wieder und wieder beraten und zu Ausstellungen ermutigt und gedrängt hätte, wäre Vieles unterblieben, was Burgers Kunst erst der ganzen Nation bekannt machte. Indem er dem Meister das Praktische und Lästige abnahm, versetzte er ihn zugleich in die Lage, in Ruhe und heiterer Stimmung zu schaffen und zu malen. Als dann im Herbst 1893 in Frankfurt in der Kunsthandlung Andreas die große Burger-Ausstellung, sozusagen als Auftakt zu den Ehrungen des Jahres 1894 stieg, erkannten die Bürger erst ganz, welch' reiches und köstliches Lebenswerk sich vollendet hatte. Da waren sie alle aus dem Privatbesitz herausgestiegen, die Frankfurter und Kronberger Stadtansichten, die Taunuslandschaften, die Jagdbilder, die winterlichen Motive, die Zeichnungen und Skizzen.
Und von da an begann es für den kunstverständigen und kunstliebenden Frankfurter einfach dazuzugehören, ein "Burchersche" oder wenn möglich mehrere zu besitzen und an diesen Bildern und Blättern, die das so vertraute Frankfurter Milieu vertraut ließen und doch in die Sphäre echter Kunst erhoben, reine Freude zu haben.
Das Jahr 1894 brachte Burger am 14. November zum 70. Geburtstag den Professortitel, brachte die Ehrenbürgerschaft Kronbergs und vor allem die große von Lenbach angeregte Ausstellung in München, bei der Burger und seine Gattin von der ganzen Künstlerschaft der bayrischen Hauptstadt aufs herzlichste gefeiert wurden. Die. Ehrenmitgliedschaft der bayerischen Akademie verlieh man dem greisen Meister gleichzeitig. Die Pinakothek erwarb in diesem Jahre als höchste Ehrung den „Adlerwirt", so daß Burgers Kunst nun auch in diese Ruhmeshalle deutscher Kunst ihren Einzug hielt. Die Nationalgalerie in Berlin, die Kunsthalle in Hamburg und selbstver- ständlich die Museen in Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden folgten mit Erwerbungen nach, soweit sie nicht bereits ganze Sammlungen Burgerscher Bilder und Graphik besaßen. Die Frankfurter Freunde und Verehrer des Meisters aber sammelten unter sich Geld, um das Gemälde „Das ländliche Mahl" (ein Förster und seine Familie am Mittagstisch) zu erwerben, das Burger soeben in seinem Atelier vollendete und das man, wie das vertrau- liche Rundschreiben andeutete, als ein für „die eigenartigen Vorzüge des Meisters besonders charakteristisches Werk" ansah. Die Sammlung hatte Erfolg, das Bild wurde erworben und dem Städelschen Institut als Schen- kung überwiesen. Ein schönes Beispiel kunstverständigen Bürgersinnes, der einen verdienten Meister ehrte und zugleich eine Frankfurter Sammlung mit einer kostbaren Gabe bedachte.
Der Meister hat noch eine Reihe von Jahren unermüdlich weitergearbeitet und ist seiner Malweise treu geblieben, bis Krankheit und das Zittern der Hände ihn zwangen, den Pinsel niederzulegen. 1905 ist er in seinem geliebten Kronberg gestorben und zu Grabe getragen worden.
Schon in den letzten Lebensjahren Burgers war es um das künstlerische Leben in Kronberg stiller geworden. Dielmann war seit Jahrzehnten tot, von der Burger-Generation war Burnitz 1886, Rumpf 1896 gestorben. Schreyer, der auch in Kronberg begraben liegt, hatte 1899, Scholderer 1902 die Augen geschlossen. Viele der zahlreichen Burgerschüler, von denen Nelson Kinsley eine der Töchter des Meisters geheiratet hatte, waren verzogen und lebten als angesehene Künstler in Berlin, Karlsruhe und Düsseldorf. Norbert Schrödl und Ferdinand Brütt sind wohl diejenigen gewesen, die noch am längsten, wenn auch mit Unterbrechungen, in Kronberg wohnten und malten.
Jedoch der innere geistige und künstlerische Zusammenhang einer Reihe gleichgesinnter und untereinander eng befreundeter Maler, die die heimische Landschaft in eigener und einmaliger Weise formten und gestalteten, ist wohl mit Burgers Tod erloschen. Was aber Dielmann begonnen und Burger im Verein mit Rumpf, Maurer, Burnitz, Schreyer und Scholderer fortgesetzt hatte, bleibt als eine charakteristische und nicht zu übersehende Sonderleistung bestehen. Es waren glückliche Jahrzehnte, in denen der lokale Stil des Frankfurter Raumes durch die fortschrittliche künstlerische Gestaltung einer kleinen Malerkolonie überörtliche Bedeutung gewann und im Anschluß an die von Frankreich ausgehenden malerischen Impulse Werke schuf, die der Kronberger Malerschule ihre feste Bedeutung im Ablauf der Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts sichern. Daß diese Kunst zugleich so beschaffen war, daß sie dort, wo sie entstand, die Anteilnahme, die Liebe und Sammelfreude der Mitwelt fand, mag als besonders glückliche Fügung empfunden werden. Denn das Schönste und Bezeichnendste, was man über den Wert der Werke der Kronberger Malerschule, insbesondere der Dielmanns und Burgers, sagen kann, ist wohl, daß der weitaus größte Teil ihrer Bilder von der Staffelei weg den Weg in die Häuser und Wohnungen der Bürgerschaft gefunden haben, wo sie, von allen Familienmitgliedern geliebt, an Ehrenplätzen hängen und immer wieder Freude an der künstlerischen Gestaltung einer geliebten Heimat verbreiten.